Abenteuer Süd-Afrika. Teil 5 – das Königreich eSwatini

15 Tage, 8 Unterkünfte, 5 Partner-Farmen, 2 Länder: Roadtrip Extreme!
Hier kannst du Teil 1 – Wait A Little, Teil 2 – Moolmanshoek, Teil 3 – Ride & Work Wild Ride und Teil 4 – The Horse Safari Company lesen.

Meine große Reise neigt sich zwar langsam dem Ende zu, aber einen Besuch habe ich noch vor mir. Darauf habe ich mich bei der Reiseplanung auch schon sehr gefreut. Es geht in das Königreich eSwatini (früher bekannt als Swaziland). Ein Stempel, den wahrscheinlich nur wenige in ihrem Reisepass haben. Ich bin darüber jedenfalls stolz wie Bolle.

In Eswatini bieten wir einen tollen Ritt an, bei dem man in zwei verschiedenen Reservaten reitet. Da das Land winzig klein ist und die Reservate nur ca. 2 Autostunden auseinander liegen, bietet es sich auch, an hier bei beiden einen kurzen Stopp einzulegen. Das ist der Plan für die zwei letzten Tage auf meiner Reise.

Erster Teil: KaMsholo Bushveld

Anders als im normalen Reiseverlauf der „Eswatini Riding Holidays“ starte ich in KaMsholo, im Süden des Landes. Auf der Fahrt dorthin (diesmal mit einem privaten Transferunternehmen) sehe ich schon recht viel vom Land. Ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Landschaften und der Masse an Autowaschanlagen. Mein Fahrer erzählt mir, dass das hier als Statussymbol gilt. Auf meine Frage, ob er damit das Besitzen einer Waschanlage oder das Waschen des eigenen Autos meint, antwortet er einfach mit einem trockenen: Beides. Das leuchtet mir irgendwie ein, denn wer sein Auto im südlichen Afrika sauber halten will, muss wirklich jeden Tag in die Waschanlage fahren und dazu muss man vermutlich ganz schön Asche haben – zumindest wäre das bei uns in Deutschland so. Wir kommen auch immer wieder an Zuckerrohrplantagen vorbei und stecken im Verkehr hinter riesigen LKW’s voller Zuckerrohr. Die Gegend hier ist das Hauptanbaugebiet für den Zucker, der für das bekannte Softgetränk mit dem Rot-Weißen Logo verwendet wird.

Im Reservat angekommen bin ich ehrlicherweise erst einmal ein bisschen verwirrt und überfordert. Die Farmen, auf denen ich bisher war, waren alle sehr abgelegen und ruhig. Wir halten auf einem Parkplatz direkt neben der Hauptstraße und ich sehe bereits einen riesigen Spielplatz, Freiflächen mit Grillplätzen und Picknickbänken und ein großes Gebäude mit Tagungsraum, Restaurant und Souvenirshop. Später erfahre ich von der Managerin Ann, dass es in Eswatini nur noch wenige Flächen gibt, die nicht dem Zuckerrohr zum Opfer gefallen sind. Die „Big Game Parks“, so der Zusammenschluss der Natur- und Wildtierreservate im Land, haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Fleckchen zu schützen und der lokalen Bevölkerung als Ort der Zusammenkunft, Freizeit und Aufklärung zu Umweltthemen bereit zu stellen. Das finde ich ein wirklich schönes Konzept. Die Reservate sind zwar klein, aber in einer Landschaft, die von Plantagen und intensiver Bewirtschaftung geprägt ist, macht das kleinste Fleckchen Natur schon einen großen Unterschied.

Ich bekomme meine Unterkunft gezeigt – ein großes 4-Personen Chalet für mich ganz alleine, das ca. fünf Minuten mit dem Jeep abseits des Trubel liegt. Hier gibt es kein W-Lan, keinen Handyempfang und ich genieße erst einmal die absolute Stille auf einem Liegestuhl auf meiner Terrasse. Es dauert nicht lange, bis ich die ersten Tiere entdecke. Einige Impala huschen durch den Buch, ich sehe eine Warzenschweinfamilie direkt vor meiner Hütte und nach ein paar Minuten kommt ein Giraffenbulle ganz nah heran und knabbert an den oberen Ästen der Bäume um mich herum. Ich glaube, das ist die intimste Begegnung die ich bei meiner Reise bisher hatte. Es ist auch ein ganz neues Erlebnis, dabei nicht auf dem Pferd oder im Auto zu sitzen und auch nicht von anderen Menschen umgeben zu sein. Für eine Weile sind es nur ich und die Giraffe – niemand sonst. Ich werde ganz andächtig dabei.

Am Nachmittag werde ich an meiner Hütte abgeholt und Ann zeigt mir die Pferde. In diesem Reservat leben momentan nur fünf. Da das Reservat sehr klein ist, werden außerhalb der Reitsafari-Saison nur kurze Ausritte für die Tagesgäste des Reservats angeboten. Die restlichen Pferde werde ich erst morgen kennen lernen, in einem anderen Reservat. Wir sind zu dritt unterwegs: Ann, ich und ein Guide des Parks. Wir reiten eine Runde, die allerdings durch die geringe Größe des Reservats auf ungefähr eine Stunde beschränkt ist. Dennoch ist der Ritt das Gegenteil von Langweilig! Wir sind noch keine zehn Minuten unterwegs, hören wir galoppierende Hufe hinter uns. Es stellt sich heraus, dass eine junge Stute, die eigentlich am Stall hätte bleiben sollen, lieber mit auf unseren Ausritt kommen wollte. Sie ist aus dem Paddock ausgebrochen und kam nun als freilaufendes Pferd mit. Dabei zeigte sie uns deutlich, was sie von unserem Tempo hielt: zu langsam! Immer wieder kam sie heran, um die anderen Pferde zum galoppieren zu animieren. Dazu sind diese viel zu gut trainiert. Ich habe eine große Freude daran, die Stute und diese ungebändigte Energie und Lebensfreude zu beobachten. Sie schlägt haken um uns herum, drängelt sich manchmal in die Abteilung oder führt die Gruppe an. Nur als wir dann die Giraffen treffen und ein bisschen stehen blieben, um zu beobachten, wird sie ganz schüchtern. Mit den großen Tieren hatte sie bisher noch nicht so viele Berührungspunkte. Nach unserem Ausritt essen wir im Restaurant zu Abend und dann bin ich auch froh über eine erfrischende Dusche und ein gemütliches Bett!

Der Wecker klingelt wieder früh, denn ich habe heute viel vor. Direkt vor meinem Fenster steht eine Herde Giraffen, die ich mit meinem Kaffee in der Hand beobachte. Daran könnte ich mich wirklich gewöhnen. Wir frühstücken im Restaurant – ich habe mich für ein leckeres Omelette entschieden – und dann geht es schon wieder los zu den Pferden. Dieses mal reiten wir auf die andere Straßenseite, wo das Reservat noch weiter geht. Hier lebt eine Herde Nguni Rider, die durch das Zuchtprojekt der Big Game Parks vor dem Aussterben gerettet werden konnten. Ursprünglich waren die Rinder das, was die Autowaschanlagen heute sind: Statussymbol. Heutzutage leider etwas out of fashion, was den schönen Tieren fast zum Verhängnis geworden wäre. Nun lebt die Herde im Teil des Nationalparks und wird dort gepflegt und geschützt. Die Rinder sind wunderschön, mit dem farbig besprenkeltem Fell und den langen Hörnern. Teil der Reitsafari ist es normalerweise, mit der Gruppe die Rinder zusammenzutreiben für eine Musterung. So kann man zu einem richtigen Cowgirl werden! Da ich aber der einzige Gast auf dem Ritt bin, entschließen wir uns dazu, die Herde jetzt nicht aus dem Mittagsschlaf zu reißen. Ein paar haben sich uns dann aber doch angeschlossen, als wir vorbei Reiten – so komme ich doch noch dazu, einen Mini-Viehtrieb erleben! Nach ungefähr zwei Stunden kommen wir wieder am Stall an und verabschieden uns von den Pferden. Mit dem Auto geht es weiter zur letzten Station meiner Reise:

Zweiter Teil: Mlilwane Wildlife Sanctuary

Fast zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt Richtung Norden, bis wir in Mlilwane ankommen. Die Landschaft verändert sich dabei stetig, statt Busch und Zuckerrohr ist es hier viel bergiger und grüner – fast schon tropisch! Mir gefällt es hier direkt super gut und nachdem ich meine Hütte bezogen habe, springe ich erst einmal in den Pool, der eine wunderschöne Aussicht hat. Viel Zeit habe ich aber nicht, denn ich bin schon wieder mit Ann verabredet, um auch hier noch einen Ausritt zu unternehmen. Ich darf eine sehr spritzige, lauffreudige Stute reiten und sogar die Führung übernehmen. Ann sagt mir einfach dann immer kurz Bescheid, wenn ich abbiegen soll. Da es schon recht spät ist, reiten wir nur eine kleine Runde. Ann hat nämlich den Plan, mich zum Sonnenuntergang an einen Aussichtspunkt zu bringen, zu dem wir noch ca. eine viertel Stunde mit dem Auto fahren müssen. Wenn ich ein bisschen mehr Zeit im Gepäck hätte – wie die Gäste, die für die Eswatini Riding Holidays hier her kommen – hätten wir auch zu Pferd hochreiten können. Außerhalb der Regenzeit ist sogar eine Übernachtung im Freien mit eingeplant. Die Aussicht ist wirklich spektakulär – die Sonne ein glühend roter Ball über den dunkelgrünen Bergen. Ein gebührender Abschluss für meine Zeit in Afrika!

Das heißt, Abschluss stimmt ja eigentlich nicht ganz. Nach meiner letzten Nacht stehe ich extra früh auf, um am Morgen noch einmal am Stall vorbei zu schauen. Hier in Mlilwane lebt der Großteil der Pferde. Insbesondere die Jungpferde bereiten sich hier auf ihr Leben als Trailpferd vor und werden nach der Equitation Science Methode trainiert. Nachdem ich beim morgendlichen Füttern geholfen habe, bekomme ich noch eine Stunde Unterricht in der Ausbildungsmethode. In einer Stunde kann man natürlich nur die Oberfläche ankratzen, aber ich bin auf jeden Fall sehr interessiert, mehr darüber zu lernen. Vielleicht komme ich irgendwann wieder – zum Beispiel im Rahmen des Ride&Work Programms, sodass ich für 4 Wochen mitarbeiten und lernen kann.

Ann holt mich ab und ich bitte sie, noch kurz am Souvenirshop zu halten. Ich habe zwar eigentlich überhaupt keinen Platz mehr im Gepäck, aber ich möchte unbedingt ein Andenken an meine erste Afrikareise mitnehmen – zusätzlich zu den tausenden Fotos, die ich gemacht habe und den Erinnerungen in meinem Kopf! Besonders der Schmuck hat es mir angetan und ich suche mir einen schönen Armreif und ein Paar Ohrringe aus. Danach müssen wir uns sputen. Ich muss zur Haltestelle an einem Einkaufszentrum in der nächsten Stadt, wo mich ein Shuttlebus einsammelt für die Fahrt zurück nach Johannesburg. Der Abschied von Ann war wirklich herzlich, sodass ich mir gut vorstellen könnte auch hier wieder einmal zu Besuch zu kommen. Das private Transferunternehmen ist sehr luxuriös – die Sitze im Bus sind wie riesige Ledersessel mit zwei Armlehnen und Getränkehaltern. Auch für Verpflegung ist gesorgt. Jeder Reisende bekommt ein paar Snacks und ein Getränk für die Fahrt. Die Fahrt nach Johannesburg dauert ziemlich lange, aber der Fahrer und die Mitfahrer sind wirklich nett. Bei der Grenzkontrolle bleiben wir alle zusammen, also auch Alleinreisende brauchen hier keine Angst zu haben, auf sich alleine gestellt zu sein.

Angekommen am Flughafen muss ich mich erst einmal orientieren. Das Busterminal liegt (meiner Meinung nach) ziemlich versteckt und ich laufe erst einmal in die falsche Richtung ins Parkhaus, bevor ich das Terminal finde. Bis ich dann mein Gepäck abgegeben habe und durch den Sicherheitscheck bin, habe ich noch kurz Zeit für einen kleinen Snack (die wahrscheinlich teuerste Pizza meines Lebens) und dann ist es auch schon Zeit für’s Boarding. Ich habe leider ein wenig unfreundliche Sitznachbarn auf dem Flug, aber die Erinnerungen an meine Reise lassen mich dennoch gut schlafen. Ich freue mich schon auf mein nächstes Abenteuer im Sattel!

Hier findest du den Ritt auf unserer Website: Eswatini Riding Holiday.

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Alexa Kern

Alexa ist für jedes Abenteuer zu haben! Seit 2022 sitzt sie für pferdesafari im Sattel und ihre Reise-Bucketlist erweitert sich stetig. Sie hat bereits eine Zeitlang als Guide auf einem Reiterhof in Schweden gearbeitet und wohnt nun Teilzeit in Irland – an einem Ort hält es sie jedoch nie lange. Ihr liebstes pferdesafari-Erlebnis bisher ist ein schneller Galopp in den Bergen von Montenegro und der coolste Stempel in Ihrem Reisepass ist eSwatini.

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