15 Tage, 8 Unterkünfte, 5 Partner-Farmen, 2 Länder: Roadtrip Extreme!
Hier kannst du Teil 1 – Wait A Little lesen.
Nachdem ich also meinen Flug von Hoedspruit mit genug Zeitpuffer erwischt habe, geht die Reise für mich weiter.
Mein Flug geht zurück nach Johannesburg und von dort an habe ich einen Transfer nach Moolmanshoek organisiert – das liegt etwa 5 Stunden südlich von Johannesburg. Mein Fahrer muss noch einige Koffer abholen von anderen Gästen, deren Gepäck nachgeliefert wurde. Daher dauert es ein bisschen, bis wir dann wirklich „on the road“ sind. Ich finde es total spannend, Südafrika auch mal außerhalb der Reservate zu sehen. Wir fahren vorbei an Townships und Dörfern aus Blechhütten und kommen immer wieder an Märkten vorbei, an denen allerhand Obst, Gemüse, Handarbeit, aber auch Second Hand Kleidung verkauft wird. Ein paar mal kommen wir auch an größeren Städten vorbei, zum Beispiel „Heidelberg“ oder „Heilbron“. Sag mal, kann es sein, dass ich gar nicht mehr in Südafrika bin?!
Die Vermutung bekomme ich auch, je näher wir Moolmanshoek kommen. Die Buschlandschaft weicht zuerst großen Landwirtschaftlichen Flächen und schließlich landen wir in einer Gegend, in der hauptsächlich weite Ebenen voll goldenem Gras wachsen, unterbrochen von leuchtenden Buntsandsteinbergen. Ein bisschen bekomme ich das Gefühl, im wilden Westen zu sein. Fehlt nur noch der Cowboy und eine Verfolgungsjagd mit einer Postkutsche. Aufgrund der langen Fahrt ist es relativ spät, bis wir auf der Farm eintreffen. Ich bekomme einen kleinen Willkommensdrink und dann wird mir mein Zimmer gezeigt für die nächsten Tage. Es befindet sich im alten Sandsteingebäude und hat einen wunderschönen Ausblick über die Pferdekoppeln mit einem kleinen Teich und den Bergen im Hintergrund. Das Zimmer ist gemütlich eingerichtet und besonders das Badezimmer begeistert mich. Mental baue ich schon mal mein Badezimmer zuhause um, mit Messingrohren, freigelegten Dachbalken und Waschbecken aus solidem Sandstein. Tagträume, da ich im wirklichen Leben zur Miete in einer Dachgeschoss-Stadtwohnung lebe.



Ich mache mich kurz frisch und gehe dann ins Hauptgebäude zum Abendessen. Ich werde die Gruppe kennen lernen, die schon vor zwei Tagen hier eingetroffen ist und mit denen ich in den nächsten Tagen gemeinsam reiten werde. Am Anfang ist die Unterhaltung noch ein bisschen verhalten, was vermutlich aber auch daran liegt, dass ich von der Fahrt noch ziemlich müde bin. Das Essen und der Wein sind jedenfalls fantastisch! Jeden Abend gibt es hier ein drei Gänge Menü und ein Serviceteam schenkt uns währenddessen Wein nach, sobald die Gläser leer werden. Hier muss auf jeden Fall niemand hungrig oder durstig bleiben! Beim Nachtisch kommt dann sogar noch die Küchenchefin an unseren Tisch, und erkundigt sich ob alles geschmeckt hat.
Die Gruppe, bestehend aus zwei Spanischen Mädels, einer Amerikanerin und einer Italienerin, versteht sich offenbar schon richtig gut. Nach dem Essen verziehen wir uns in die gemütliche Bar bei den Pferdeställen. Hier brennt das Feuer im Kamin und Arturo, ein argentinischer Gaucho, spielt auf seiner Gitarre. Arturo verbringt gerade einige Zeit als Volontär bei Moolmanshoek, um beim Training der Jungpferde zu helfen. Und ganz nebenbei lässt er mit seiner Gitarre und den argentinischen Lagerfeuerliedern die Herzen der Mädels schmelzen.
Als dann der Vorschlag kommt, wir könnten Karaoke singen, bin ich eigentlich schon halb auf dem Sofa eingeschlafen. Aber da ich als Nachzüglerin ja ohnehin schon einige Gruppenaktivitäten verpasst habe, bleibe ich tapfer wach, bis alle anderen sich auch dazu entschließen, ins Bett zu gehen.

Moolmanshoek empfiehlt sich auf jeden Fall für Langschläfer: anders als bei Wait A Little gibt es hier erst um 8:30 Uhr Frühstück. Man muss aber dazu sagen, die Temperaturen hier sind ganz andere als in der Greater-Kruger-Region. Relativ schnell bin ich froh, zwei dicke Pullover und eine Fleecejacke eingepackt zu haben. Zuerst gibt’s aber Frühstück auf der sonnigen Veranda des Hauptgebäudes, mit einem atemberaubenden Ausblick auf die grasbewachsenen Ebenen und die Berge. Schon zum Frühstück wird hier richtig aufgetischt: es gibt ein Buffet mit Müsli, Joghurt, Obstsalat, Porridge, Pap (traditioneller Maisbrei – schmeckt lecker mit etwas Milch und Zucker!), Eier, gebratenen Würstchen, Muffins, Toast, und mehr. So stärken wir uns für den Tag.
Um 9:30 Uhr treffen wir uns am Stall für den ersten Ausritt des Tages. Ich reite Leier, einen zuverlässigen Braunen, den es nicht stört, wenn ich mehr Kamera als Zügel in der Hand halte. Geritten wird hier auf den trittsicheren Beorperden, einer südafrikanischen Kleinpferderasse. Moolmanshoek ist ein bekannter Zuchtbetrieb für diese Pferderasse und die hier geborenen Pferde werden im ganzen südlichen Afrika geschätzt. Ich weiß meinen trittsicheren Kumpel spätestens dann richtig zu schätzen, wenn es in die Berge geht. Wie die Bergziegen klettern die Pferde über die Felsen – bergauf und auch steile Passagen bergab. Dabei gibt es nur ein Motto: „Look forward, keep contact, lean back, think of England!“ Also: „Nach vorne gucken, Kontakt halten, zurück lehnen und an England denken!“. Ich bin an sich keine ängstliche Reiterin, aber den anderen Gästen, die hauptsächlich in der Arena reiten, hat dieses Mantra wirklich geholfen, die schwierigen Abschnitte am Berg zu meistern. Die Pferde haben jedenfalls keinerlei Probleme. Lindy erklärt uns, dass die Jungpferde bis sie ca. 3 Jahre alt sind in den Bergen leben und auf sich selbst gestellt sind. Sie grasen in den Hochlagen und müssen zum Trinken ins Tal hinunter wandern. Somit gewöhnen sie sich von klein auf an die Aufgabe, die als Trailpferd später vor ihnen liegt. Auf dem Weg zurück zur Farm geht es durch die Plains, wo viele Wildtiere leben. Hier reiten wir durch Herden von Gnus, Zebras und Elandantilopen und kommen den Tieren richtig nahe. Irgendwann merken wir, dass drei halbwüchsige Warzenschweine uns beobachten. Der Wind kommt uns entgegen, daher können sie uns nicht wittern. Die Neugier ist aber geweckt, und so kommen sie immer näher. Als wir nach einer Weile weiter reiten, bemerken wir erst nach ein paar hundert Metern, dass wir verfolgt werden und die drei Pumbas uns hinterher laufen. Die Tiere sind so niedlich und wir erfreuen und noch eine Weile an dem Anblick. Keine von uns hätte gedacht, dass wir Warzenschweine mal zu unseren Lieblingstieren auf Safari zählen würden! Gegen 13 Uhr kommen wir wieder auf der Lodge an und übergeben die Pferde an das Team. Für uns steht bereits das Mittagessen auf der Veranda bereit, gefolgt von einer kleinen Siesta.








Zum Mittagessen wartet heute etwas ganz besonderes auf uns: „Vetkoek“, also Fettkuchen. Das sind frittierte Teigbällchen, ähnlich einem Krapfen, die mit Hackfleisch, Streukäse und Sirup gefüllt werden. Ich verspreche, das ist leckerer als es klingt und aussieht! Um 16 Uhr treffen wir uns wieder am Stall für den Nachmittagsritt. Das Wetter ist gut und verspricht einen wunderschönen Sonnenuntergang. Heute wollen wir auf der Weide der trächtigen Stuten vorbei schauen. Diese stehen ein wenig abseits des Trubels und sind weitgehend sich selbst überlassen – bis auf die regelmäßige Prüfung, ob alles in Ordnung ist und ob bereits Fohlen geboren sind. Leider gibt es heute noch keinen Nachwuchs zu bestaunen, aber wir sind guter Hoffnung, dass es im Laufe der Woche passieren wird und das erste Fohlen der Saison bald kommt. Nach unserem Besuch reiten wir auf eine kleine Erhöhung mit einem Steinvorsprung. Der Sonnenuntergang ist noch schöner als gedacht, da sich die Farben im roten Sandstein der umliegenden Berge reflektieren und alles in spektakulärem Rot und Orange leuchtet. Ganz beseelt reiten wir zurück zur Farm, wo vor dem Abendessen noch Zeit für einen Drink im gemütlichen Reiterstübchen bleibt. Die Küchenchefin verwöhnt uns wieder mit einem Drei-Gänge Menü und ziemlich bald danach falle ich müde in mein gemütliches Bett.
Von einem Sturm werde ich in dieser Nacht ziemlich wach gehalten: Es rüttelt an den Türen, wirft auf der Veranda die Möbel durcheinander und wirbelt den Sand im Paddock auf. Kurz frage ich mich, ob wir am Morgen bei diesen Aussichten überhaupt reiten können. Eigentlich wäre für den Tag ein Ganztagesritt mit Picknick angedacht. Da es draußen aber gar nicht gemütlich ist, beschließen wir einen „normalen“ Morgenritt zu unternehmen und anschließend das Picknick im Reiterstübchen abzuhalten. Wir reiten los, und ein paar Tropfen fallen vom Himmel. Ratet mal, wer keine Regenjacke eingepackt hat, weil sie ja zur Trockenzeit nach Südafrika reist? Genau, ich. Zum Glück bleibt es bei den wenigen Tropfen. Der Himmel bleibt zwar dunkel und in der Ferne gewittert es auch, aber wir bleiben weitgehend trocken.
Wir machen uns auf die Suche nach der einzigen Giraffe, die noch hier im Reservat lebt und deren Partner vor einiger Zeit leider verstorben ist. Die Giraffe ist ein Überbleibsel früherer Besitzer dieses Teils des Reservats und gehört eigentlich gar nicht in diese Landschaft. Es gibt hier nämlich keine Akazienbäume, die natürliche Nahrung der Giraffen. So musste sie lernen, andere Pflanzen (z.B. Kohlbäume) zu fressen und hat sich an den ungewöhnlichen Lebensraum angepasst. Die Giraffe darf bleiben und wird auch von allen Gästen sehr geschätzt, aber es wäre nicht im Sinne des Artenschutzes noch weitere Giraffen in das System einzubringen. „Golden Syrup“, so haben wir die Giraffendame getauft, wird allerdings innerhalb des nächsten Monats ein Baby zur Welt bringen und muss dann nicht mehr alleine sein. Der Ritt führt uns in eine ganz andere Richtung und zwei mal müssen wir auch durch einen Zaun, bis wir im anderen Teil des Reservats angekommen sind. Wir reiten über eine Hochebene und sind schon kurz davor, die Suche nach der Giraffe abzubrechen, als ich sie sehe. Unglaublich, wie gut die Tiere getarnt sind!

Wir nähern uns langsam und sind überglücklich über die Sichtung. In einem so großen Reservat ist es keineswegs selbstverständlich, ein einzelnes Individuum zu finden. Aber auch Giraffen haben anscheinend Lieblingsplätze, und so dürfen wir sie ein wenig beobachten bevor sie sich zurückzieht. Wir wollen ihr auch nicht zu nahe kommen und sie nicht stören, damit sie in ihrem Zustand nicht gestresst wird. Weiter geht der Ritt zum nächsten Highlight: In diesem Teil des Reservats befindet sich ein Felsvorsprung mit Buschmalereien. Um hierhin zu gelangen, führt der Weg ziemlich Steil nach oben in den Sandstein, aber die Pferde meistern das ganze ohne Probleme. Die Malereien zeigen Menschen, abgebildet mit Werkzeugen wie Fischernetzen und Speeren, sowie verschiedene Tiere. Die Motive sind aus verschiedenen Farben gemalt – unter anderem Gelb, Rot, Schwarz und Braun. Auf dem Weg hinunter erklärt Lindy uns, aus welchen Pflanzen und Naturmaterialien die verschiedenen Farben gemischt wurden und warum sie bis heute dem Wetter trotzen. Auf dem Weg zurück zur Lodge können sich unsere Pferde noch einmal so richtig austoben auf einer langen Galoppstrecke.
Das Mittagessen gibt es wie gesagt im Reiterstübchen als Picknick. Es gibt verschiedene Sandwiches und Fingerfood. Danach verkriechen sich heute alle in ihren Zimmern – draußen stürmt es immer noch gewaltig und wir verschieben den Nachmittagsritt ein wenig nach hinten, in der Hoffnung auf besseres Wetter und einen weiteren tollen Sonnenuntergang. Tatsächlich klart es noch auf uns wir können um 16 Uhr wie gewohnt losreiten für unseren Sonnenuntergangsritt. Es geht wieder in eine andere Richtung, mit zahlreichen Galoppstrecken auf weichem Boden. Im Sommer, während der Regenzeit, stehen einige Gebiete hier unter Wasser und man kann mit den Pferden schwimmen und durch das hohe Schilf reiten. Wir nähern uns dem Fuß der Berge und das Terrain wird steiniger. So richtig klettern müssen wir noch nicht, aber es geht bereits einige Meter nach oben. Plötzlich bleibt Lindy stehen und deutet nach oben. Erst sehen wir gar nicht, was sie uns zeigen will und dann entdecken wir sie plötzlich. Eine einzelne Ostafrikanische Oryx-Antilope. Die schönen Tiere mit dem Schwarz-Weißen Kopf gelten als stark gefährdet, doch dank intensiver Schutzmaßnahmen verzeichnen sich seit einigen Jahren wieder positive Wachstumszahlen. Es wird geschätzt, dass es momentan nur noch etwa 12.000 Tiere dieser Art gibt, und einige von Ihnen leben hier im Reservat. Eigentlich bewegen die Antilopen sich Paarweise oder in der Gruppe, daher sind wir etwas erstaunt, nur eine einzelne anzutreffen. Da die Tiere aber recht scheu sind, kann es auch sein, dass diese sich einfach zu gut versteckt haben, als sie uns kommen sahen. Daher kommen wir auch nicht richtig nah ran, aber es reicht mir, das schöne Tier auch aus der Ferne beobachten zu können. Im Zwielicht reiten wir schließlich nach Hause, während hinter uns der Vollmond über den Bergen aufgeht. Die Stimmung ist richtig magisch und wir werden fast sentimental. Wir freuen uns auf das gemeinsame Abendessen und runden den Abend ab, indem wir vor dem Kamin noch ein Glas Wein trinken und unser Gaucho ein paar argentinische Cowboylieder auf der Gitarre anstimmt.






Der nächste Tag beginnt wie immer mit einem ausgedehnten Frühstück, bevor wir uns auf die Pferde schwingen. Es ist mein letzter Tag auf der Farm und er wird mir ganz besondere Erinnerungen bescheren. Wir starten mit einem Ritt in die Berge, wo uns das Team eine Höhle zeigt, in der man auch übernachten kann. Früher wurden hier Sleep-Out Ritte organisiert, leider ist dies jedoch momentan nicht möglich, da die einzige Straße über die man mit dem Versorgungsfahrzeug her kommen könnte, bei einem Unwetter zerstört wurde. Für Wanderer, die ihre Ausrüstung selbst tragen können, steht die Höhle aber noch zur Verfügung. Auf dem Rückweg, sobald wir wieder ebenen Boden unter den Hufen haben, gibt es auch wieder einige Galoppstrecken auf denen wir uns so richtig austoben können.
Für den Nachmittag steht ein Ausflug mit dem Auto an. Der Senior Chef Willie und seine Enkelin erzählen uns die Geschichte des Reservats, die mich sehr beeindruckt hat. Willie hat die Farm in den 80’er Jahren von seinem Schwiegervater übernommen. Gemeinsam mit seiner Frau hat er sich die Mission gesetzt, das zu diesem Zeitpunkt schwer erodierte Farmland in seine ursprüngliche Landschaft und Funktion als Feuchtgebiet und wichtiger Lebensraum zurückzuversetzen. In den letzten 40 Jahren hat sich das Reservat so Stück für Stück wieder in das Paradies verwandelt, das wir heute bestaunen dürfen. Die Tour endet an einem Aussichtspunkt mit einem Sundowner-Getränk und zählt zu den Highlights meiner Südafrika Reise! Doch damit war der Tag noch nicht vorbei. Eine Mondfinsternis ist für heute angekündigt und wir bekommen unser Abendessen draußen auf der Terrasse serviert. Es ist ein Teleskop aufgebaut, sodass wir die Mondfinsternis und Sterne beobachten können. Das Essen ist wie immer fantastisch und mit der entsprechenden Gesellschaft wird der Abend wirklich magisch. Zum Abschluss wartet ein letztes Highlight auf mich: Wir steigen noch einmal auf die Pferde und machen einen Mondscheinritt durch das Reservat. Teilweise ist es so dunkel, dass man sich wirklich nur auf die Pferde und deren Sinne verlassen kann. Moolmanshoek wird mir immer als ein ganz besonderes Fleckchen Erde in Erinnerung bleiben.
Für mich geht die Reise nun weiter, ich habe noch ein bisschen was vor!




Hier findest du den Ritt auf unserer Website: Moolmanshoek.
Stay tuned für den nächsten Teil der Reise: Teil 3 – Wild Ride Safaris.

