Roadtrip Irland – was sonst noch geschah

Im ersten Teil meines Roadtrips durch Irland habe ich euch bereits auf das ein oder andere Abenteuer im Sattel mitgenommen. Da ich aber eine ausgehungerte Reisewütige bin, habe ich mir in die 12 Tage alles was nur geht reingepackt und selbstverständlich sollt auch ihr davon profitieren. Man kann schon mal vorab sagen – hier ist einfach alles schön! Es ist überall saftig grün, es gibt überall wunderschöne Dörfer und Häuser, wirklich alle paar Kilometer kommt man an einer Ruine, Kirche, Schloss, Burg oder sonst einem bezauberndem Gebäude vorbei und wenn man an den Küsten entlang fährt, dann ist da von furchteinflössenden Klippen über Sandstrände bis hin zu Stränden die mit Muscheln übersät sind, alles dabei.

Ich lande also in Dublin und fahre mit dem Mietwagen nach Mullaghmore, wo mein Hotel für den Ritt bei Uschi ist. Das Örtchen liegt direkt am Meer auf einer Halbinsel. Man kann tolle Spaziergänge machen und wenn man kein Problem mit dem kalten Wasser hat, dann gibt es auch eine großen Badestrand. Auf einem Rundweg um die Halbinsel kann man Felsformationen am Wasser bestaunen und im Hintergrund ist immer Classiebawn Castle, welches zwar nicht besichtigt werden kann, aber ganz mystisch und fast ein bisschen unheimlich auf seinem Felsen thront.

Ich mache da oben noch einen Abstecher nach Donegal, was ein kleines süßes Städtchen ist und prima als Zwischenstopp auf dem Weg in die Nationalparks im Norden geeignet ist. Dort oben war ich leider nicht – einer von vielen Gründen wieder zu kommen.

Nach meinem Ausflug in den Vielseitigkeitssattel bei Oliver, er ist in der Nähe von Portumna, vergnüge ich mich den Rest vom Tag am östlichen Ende von Lough Derg, dem drittgrößten See Irlands. Das Wetter ist fantastisch und so lasse ich einfach gemütlich die Seele baumeln und schaue den Wassersportlern bei ihren Aktivitäten zu. Der See ist 40 km lang und hat über 60 kleine Inseln. Auf der bekanntesten Insel, Holy Island, gibt es noch Überreste einer alten Klostersiedlung aus dem 7. Jahrhundert.

Mein nächstes Highlight ist die Klosterruine Clonmacnoise. Direkt am Shannon River gelegen, ist das Areal einfach total schön und faszinierend. Die Anlage ist erstaunlich groß und es gibt viel zu entdecken. Da Frühling ist, blüht in den alten Ruinengemäuern ganz viel an Blümchen und das macht das Ganze noch bezaubernder. Solltet ihr also in der Nähe sein – ein Abstecher hierher lohnt sich in jedem Fall. Ebenfalls die Stadt Athlone, die „Hauptstadt“ der Midlands. Auch am Shannon gelegen, ist sie ein bezauberndes Städtchen mit bunten Häusern und eben diesem besonderen Flair, das nur Städte die am Wasser liegen, haben.

Nach meinem Aufenthalt bei Nicola in der Nähe von Whitegate, bin ich vollgepackt mit Tipps für meine restliche Reise!

Somit mache ich mich als erstes auf zum Burren. Der Burren ist eine Karstlandschaft im Westen Irlands und es ist ein bisschen als ob man auf den Mond abbiegt – zumindest stelle ich es mir auf dem Mond so vor. Soweit das Auge reicht ist hier dieses Kalksteingebiet, genauergenommen auf 250 km2. Die Oberfläche ist immer in rechteckige Felder unterteilt, so dass überall Spalten sind. Auf den ersten Blick wächst hier nichts, wenn man aber genauer hinschaut, dann gibt es Gräser, Kräuter, Flechten und auch Blümchen, ein bisschen wie im Hochgebirge. Bei meiner Recherche über den Burren bin ich auf ein lustiges Zitat eines Kriegsmannes aus dem 17. Jahrhundert gestoßen und das trifft es auf makabere Weise ziemlich genau: „Kein Baum, an dem man einen Mann aufhängen, kein Tümpel, worin man ihn ersäufen, keine Erde, in der man ihn verscharren könnte.“

Und trotzdem ist die Gegend unglaublich schön und man könnte hier tagelang wandern gehen und alles erkunden. Wenn man hier ist lohnt sich auf jeden Fall ein Halt in der Burren Perfumery. Hier werden tolle Parfüme und Kosmetika aus den Produkten der Gegend hergestellt und man kann durch einen wunderschönen Kräutergarten spazieren. Es gibt außerdem ein kleines Café mit selbstgemachten Kuchen, Tee und Kaffee. Die Produkte, die es zu kaufen gibt, sind eher hochpreisig, aber ein wirklich schönes Mitbringsel und auch ein wenig Zeit dort zu verbringen, ist wirklich toll und ein entschleunigendes Erlebnis.

Von der Perfumery fahre ich ans Meer nach Ballyvaughan und folge der Küstenstraße bis zu den Cliffs of Moher. Die Strecke ist so atemberaubend schön und ich bin so verliebt in diese Landschaft, dass ich mich zu- sammenreißen muss, um nicht alle paar Meter anzuhalten, um Fotos zu machen und alles genauer unter die Lupe zu nehmen.

Dank der Insider Tipps von Nicola, fahre ich nicht zum Touristen Parkplatz an den Cliffs of Moher, sondern weiter bis zum „Rock Shop“, dort biege ich auf der gegenüberliegenden Seite ab und fahre durch bis am Ende der Straße ein kleiner Parkplatz kommt. Dort stelle ich mein Auto ab und gehe nun den Küstenweg an den Klippen sozusagen von hinten. Der Parkplatz kostet lediglich 3,- Euro anstatt der 8,- Euro am Touristenzentrum und der Weg ist deutlich weniger besucht, weil bis ganz nach hinten die wenigsten Menschen gehen. Ich gehe etwa 10 Minuten vorbei an Kuhweiden bis ich am Meer ankomme und bin schon so gespannt, was mich erwarten wird. Und es ist einfach nur atemberaubend und unbeschreiblich! Soweit das Auge reicht, ziehen sich die Klippen am Meer entlang und an ihrem Fuß tobt die raue See. Die Vorstellung da reinzufallen ist weniger schön, deshalb halte ich mich brav an die Anweisung von Nicola, nicht zu nah an den Rand zu gehen, um nicht von einer Böe erfasst zu werden. Ich gehe tatsächlich den ganzen Weg bis zum Leuchtturm vor, weil ich mich nicht satt sehen kann an den rauen Felsen mit ihrem zarten Grün und den kleinen Blümchen die überall blühen. Anfangs ist das Wetter noch wolkig und stürmisch und das macht das Ganze noch abenteuerlicher, aber nach einer Weile klart der Himmel auf und ich darf diese Kulisse auch noch bei blauem Himmel und Sonnenschein erleben. Was für ein Geschenk!

Also ihr merkt schon – auch die Klippen sind ein absolutes Highlight und eigentlich ein Muss, wenn man Irland bereist.

Mein nächstes größeres Ziel ist die Iveragh Halbinsel mit dem Ring of Kerry. Auf dem Weg dorthin schaue ich mir alles an, was mir so vor die Windschutzscheibe kommt. Ich liste euch einfach mal alles auf, auch wenn ich es nicht sehenswert fand. Die Nacht habe ich in Milltown Malbay verbracht – ich buche immer am selben Tag eine Unterkunft, weil ich nur die pferdesafari Partner als feste Route und Termin habe und den Rest spontan nach Wetter, Fahrlaune und sonstiger Laune plane.

Von dort liegt der Spanish Point in unmittelbarer Nähe. Ein langer Sandstrand, der für mich nicht sehr lohnenswert ist. Wenn man surfen will, ist es hier aber sicherlich toll. Was sich allerdings wieder lohnt, sind die Klippen von Killkee und Killkee selbst. Die Klippen sind deutlich kleiner als die von Moher, aber haben eine tolle Form und das Meer ist schon fast unheimlich wild und rau. Hier kann man einen schönen Spaziergang machen – entweder über 4km oder über 12km.

In Kilrush gibt es das Vandeleur Walled Garden & Visitor Centre, einen historischen Mauergarten mit verschiedensten Pflanzen und einem kleinen Café. Das ist ein netter Zwischenstop, ich würde aber nicht extra dorthin fahren, wenn es nicht sowieso auf der Strecke liegt.
In Killimer fahre ich auf die Fähre und setze über den Shannon – man spart sich damit viel Zeit und ist in 20 Minuten auf der anderen Seite. Von dort geht es für einen kleine Abstecher auf die Dingle Halbinsel bis zum Strand von Inch. Hier stürmt es, dass es mich fast wegbläst. Zwei tapfere und mutige Kiter trotzen hier dem Wind und lassen sich nicht abhalten ihrem Vergnügen nachzugehen. Während ich patschnass den Rückzug antrete und noch bis nach Dingle fahre. Das Städtchen ist bezaubernd mit seinen bunten Häuschen und dem vielen Leben in den Cafés, Restaurants und Läden. Ein längerer Aufenthalt und auch das Erkunden der Halbinsel lohnen sich mit Sicherheit.

Ich übernachte in Killarney in einem sehr hübschen Hotel und habe erst mal eine Begegnung der anderen Art. Ich checke ein und schließe mein Zimmer auf und das erste was ich sehe ist eine Männerunterhose auf dem Fußboden und ein totales Chaos im ganzen Zimmer und es schlägt mir ein gewaltig unangenehmer Duft entgegen – vermutlich aus dem Badezimmer. Nach einer kurzen Schockstarre und dem Glück, dass mich der Bewohner „meines“ Zimmers nicht gesehen hat, gehe ich zurück zur Rezeption und versuche klar zu machen, dass ich gerne ein Zimmer für mich alleine hätte. Nach kurzem Hin und Her bekomme ich ein Upgrade, weil nichts anderes mehr frei ist. So ein niedliches Zimmer mit so vielen liebevollen Details, ich freue mich auf zwei Nächte hier – ohne Mitbewohner. Leider haben die Iren eine andere Esskultur als ich und heute Abend gehe ich mit knurrendem Magen ins Bett. Um 21 Uhr ist spätestens überall die Küche zu!

Jetzt steht der Ring of Kerry auf dem Programm. Ich bin schon super ge- spannt und befolge ebenfalls den Rat von Nicola und fahre gegen die eigentliche Richtung, so muss man nicht hinter den Bussen her fahren. Aber bitte fahrt vorsichtig, an manchen Stellen ist es mega eng und die Iren fahren wie die verrückten Hühner.

Ich fahre den Ring an einem Tag. Das ist machbar, aber ihr verpasst so so viel. Hier gibt es soviel zu erkunden und zu sehen. Man kann tolle Wanderungen machen, schöne Spaziergänge, Bootstouren zu den Inseln und vieles mehr. Es gibt Destillerien zu besuchen, dort kann man Führungen und Tastings machen. Der Ring ist traumhaft schön und viel zu schade um nicht mindestens eine eher zwei Übernachtungen unterwegs einzuplanen, um auch außerhalb des Autos die Halbinsel zu erkunden. Ihr solltet aber auf jeden Fall an den Klippen von Kerry anhalten. Sie sind viel kleiner, als die von Moher, aber wahnsinnig beeindruckend. Der Sturm ist unfassbar stark und man muss sich an manchen Stellen wirklich festhalten, um nicht umzufallen.

Nach soviel Landschaft und einsamer Natur geht es am nächsten Morgen zu Muckross House, dem Herzstück des Killarney Nationalparks. Es ist aus architektonischer Sicht eines der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Landes und zugleich der Ursprung des beliebten Killarney Nationalparks. Das Haus liegt in einem riesigen Park, der natürlich super gepflegt ist, überall blüht es und man kann richtig lange Spaziergänge machen. Leider kann ich das Haus nicht besichtigen, weil ich zur falschen Uhrzeit vor Ort bin. Das Haus ist im viktorianischen Stil gebaut, wurde viele Male umgebaut und erweitert und musste von den ursprünglichen Besitzern verkauft werden, weil diese sich aufgrund eines Besuches von Queen Victoria derart in Schulden gestürzt hatten, um den Garten anzulegen, dass sie das Haus und das Anwesen nicht mehr halten konnten.

Auf dem Weg zur Ostküste mache ich noch Halt in Cashel und besichtige den Rock of Cashel. Der Berg ist 65 m hoch und gilt als irisches Wahrzeichen. Als Sitz von Feen und Geistern wurde er schon im Altertum verehrt.

Im 4. Jahrhundert eroberte ein Clan den Felsen und baute ihn zum Clansitz aus. Dieser war auf Grund seiner erhöhten Lage, die guten Überblick über das umliegende Land versprach, von strategischer Bedeutung.
Heute ist dort noch eine beeindruckende Ruine zu besichtigen (man muss Eintritt bezahlen) und man hat einen super Ausblick auf die Umgebung.
Eigentlich möchte ich dann in Kilkenny übernachten, bekomme aber kein Zimmer. Also mache ich nur einen kurzen Stop und schaue mir das Schloss von außen an. Ich habe den Eindruck ein längerer Aufenthalt lohnt sich hier in jedem Fall. Das Schloss sieht mega schön aus und die Stadt hat richtig Leben und macht einen fröhlichen und freundlichen Eindruck.

Jetzt bleibt schon gar nicht mehr viel Zeit übrig und ich fahre am nächsten Tag an die Ostküste Richtung Arklow, um dann über Wicklow hoch bis Dublin zu fahren. Selbstverständlich mit dem ein oder anderen Zwischenstop. Die Fahrt ist traumhaft schön! Es gibt tolle Strände, der eine ist übersät mit Muscheln, so dass man eigentlich gar keinen Sand sieht und das Meer ist so viel ruhiger als an der Westküste. Hier würde sogar ich mich ins Wasser trauen, wenn es denn warm wäre.

Ich halte noch für einen längeren Spaziergang im Tal von Glendalough. Dort gibt es zwei Seen und eine sehr berühmte Klosterruine aus dem 6. Jahrhundert. Man kann hier gut und gerne einen ganzen Tag verbringen, ist aber definitiv nicht alleine. An den Seen tummeln sich viele Menschen zum Baden, Boot fahren und picknicken. Es gibt viele verschiedene Wanderrouten in die Wicklow Mountains hinein oder auch nur um die Ruinen der alten Stadt zu besichtigen. Es ist also für jeden etwas dabei und je weiter man wandert umso einsamer und ruhiger wird es auch. Also trotz der vielen Touristen lohnt es sich auch hier die unglaubliche Landschaft zu Fuss zu erkunden.

Und dann bin ich auch schon in Dublin angekommen. Selbstverständlich ist Dublin ein absolutes Muss auf einer Irlandreise und ihr solltet auf jeden Fall zwei Nächte einplanen um alles zu erkunden. Ich bin allerdings überrascht wie „klein“ es doch ist!
Alles zu Dublin findet ihr in einem extra Bericht, denn wir haben das große Glück eine absolute Expertin für Dublin im Team zu haben. Alexa lebt dort und somit habe ich meine ganz private Reiseleiterin und lerne nicht nur die schönsten Ecken der Stadt kennen, sondern erlebe auch die besten Restaurants und Pubs der Einheimischen.

Und damit ist meine Irlandreise auch „schon“ vorbei und ich kann es kaum erwarten nochmal wieder zu kommen. Ich habe soviel erlebt und gesehen, fast schon ein bisschen zuviel, so dass ich den einzelnen Orten gar nicht gerecht werden konnte. Aber wie das auf Dienstreisen eben so ist, man ist ein bisschen gebunden und versucht trotzdem soviel als möglich mitzunehmen. Für mich ist Irland ein wirkliches Traumland mit unglaublicher Landschaft, mega netten Menschen und auch das Wetter ist absolut machbar, wenn man sich drauf einlässt und gut ausgerüstet ist.

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Katharina Hageloch

Katharina war schon fast überall auf der Welt für pferdesafari unterwegs. Von den Bergen des Himalaya bis zum Ende der Welt in Argentinien: sie hat schon alles gesehen. Außerdem begleitet sie unsere jährliche Reise mit Ingrid Klimke.

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