Abenteuer Süd-Afrika. Teil 1 – Wait A Little

15 Tage, 8 Unterkünfte, 5 Partner-Farmen, 2 Länder: Roadtrip Extreme!
Schon ein paar Tage vor Abreise bin ich damit beschäftigt, meinen Reiserucksack immer wieder ein und wieder auszupacken. Das ist mein Problem: ich liebe Reisen, aber ich hasse Packen. Wo ist eigentlich Hermines magische Handtasche, wenn man sie mal wirklich braucht?!

In den nächsten zweieinhalb Wochen habe ich einiges vor. Ich werde durch Südafrika und eSwatini reisen und fünf verschiedene Farmen mit acht verschiedenen Unterkünften kennen lernen. Dabei werde ich nicht nur ganz viele verschiedene Landschaften sehen, sondern natürlich auch für ganz unterschiedliches Wetter packen müssen. Das Ein- und auspacken wird also ein paar mal nötig sein.

Meine Route wird mich hierbei von Frankfurt nach Johannesburg, dann nach Hoedspruit, wieder zurück nach Johannesburg und von dort aus nach Moolmanshoek, Middelburg, Nkomazi und schließlich nach eSwatini führen. Von dort aus geht es dann wieder nach Johannesburg und schließlich zurück nach Frankfurt.

Aber fangen wir mal von vorne an: Teil 1 – Wait A Little.

Nach meinem ersten Langstreckenflug überhaupt und einem Umstieg in Johannesburg komme ich am winzigen Flughafen Hoedspruit an. Der Flughafen ist so klein, da kann man sich fast nicht verpassen. Daher dauert es auch nicht lange, bis ich meinen Rucksack, meine Gruppe und unseren Fahrer gefunden habe. Neben mir reisen heute noch zwei Gäste aus Deutschland, drei aus Schottland und zwei Ladies aus England an. Schon während der Fahrt zur Lodge unterhalten wir uns gut, lernen uns ein wenig kennen und ich merke schnell: das wird eine lustige Zeit!

Die Fahrt nach Wait A Little dauert ca. 1,5 Stunden und während der erste Teil über gut ausgebaute Straßen führt, werden wir in den letzten 30 Minuten auf der dirt road doch ganz ordentlich durchgeschüttelt. Schon bei der Einfahrt in das Reservat können wir auf der Big-5 Liste einen Haken machen: Ein Büffel schlendert am Zaum entlang und verschwindet auf der gegenüber liegenden Seite wieder im Busch. Auf der Lodge angekommen werden wir erst einmal von allen begrüßt. Gerti und Philip, die Besitzer von Wait A Little, kenne ich ja schon weil sie auch jedes Jahr an unserem Stand in Aachen dabei sind. Wir bekommen unsere Zimmer gezeigt und danach geht plötzlich alles ganz schnell; da wir am Flughafen noch auf einen verspäteten Flug mit zwei Gästen warten mussten, drängt nun die Zeit wenn wir vor dem Sonnenuntergang noch einen Kennlernritt machen wollen. Das wollen wir natürlich alle unbedingt, und so gibt es eine schnelle Sicherheitseinweisung bei einem Stückchen von Küchenfee Anna‘s himmlischen Kuchen und danach geht’s schon los! Ich darf Mitchell reiten, einen 4-Jährigen Friesen der ein absoluter Schatz (aber auch ein kleiner Clown) ist. Der erste Ritt auf dem sanften Riesen ist noch etwas ungewohnt, aber Spoiler: nach ein paar Tagen werden wir gute Freunde und ich will gar nicht mehr absteigen!

Da es für uns alle die erste Reitsafari ist, sind wir ein bisschen aufgeregt, welche Tiere wir zu Gesicht bekommen. Wir werden von einer Herde Impala begrüßt und sehen auch einige andere Antilopenarten im Busch, aber bevor es ganz dunkel werden kann drehen wir um und reiten wieder Richtung Camp. Kurz vor dem Camp stehen wir dann aber plötzlich wieder dem Büffel gegenüber, den wir in den nächsten Tagen noch öfter antreffen werden – er hat gelernt wo das Heu für die Pferde gelagert wird und ist allmählich zur Selbstbedienung übergegangen. Wir werden von Candice, der Camp Managerin, erwartet und direkt mit Drinks versorgt. Auch das Lagerfeuer brennt schon, sodass wir vor dem Abendessen noch gemütlich zusammensitzen und uns ein wenig besser kennen lernen können. Da wir allerdings alle ziemlich müde von der Reise sind, fallen wir kurz nach dem Abendessen schon in die Betten. Schließlich haben die Tage hier auch einen anderen Rhythmus.

Um noch vor der Hitze reiten zu können, „klingelt“ um Punkt 6 Uhr der „Wecker“ (Anna klopft persönlich an jedes Zelt und weckt uns auf). Um 6:30 gibt es Frühstück, bestehend aus Obst, Toast, Aufstrichen, Müsli, Joghurt. Um 7 Uhr sitzen wir auf den Pferden und es geht los zum ersten Ritt des Tages. Heute früh reiten wir andere Pferde als am Abend zuvor. Ich reite den zuverlässigen Hardy – das perfekte Kamerapferd. Für eine Weile folgen wir den Spuren von Löwen und Nashörnern, die sich allerdings leider im Nichts verlieren. Doch auch ohne Sichtungen lohnt sich der Ritt durch die Buschlandschaft. Wir reiten durch Büsche, trotzen den Dornen, galoppieren im Flussbett und perfektionieren das Chaos. Mein Mitreiter Alan fasst den Ritt folgendermaßen zusammen: „Ich weiß nicht, was diese Woche noch passieren wird. Aber es wird schnell passieren!“. Und schnell geht auf jeden Fall eines: wir galoppieren gerade durchs Flussbett, als Philip’s Pferd der Dude beschließt, er möchte keine Hufeisen mehr tragen und wild um sich schmeißt. Zum Glück ist gerade niemand direkt hinter ihm, sodass niemand von dem Eisen getroffen wird. Schwein gehabt, würde ich sagen! Wir finden sogar das Eisen wieder, einige Meter neben uns im Flussbett. Wir reiten also wieder nach Hause und ganz am Ende, kurz vor der Lodge, werden wir dann doch noch mit unserem ersten Giraffensighting belohnt. Der einsame Bulle hat eine beeindruckende Größe, aber trotzdem finde ich man sieht den Giraffen jedes Mal an, wie sich die Zahnräder im Gehirn in Zeitlupe drehen. Die schauen immer so ulkig verwirrt rüber, als könnten sie gar nicht verstehen warum diese kurzhalsigen, einfarbigen Giraffen da stehen und auf irgendwas warten. Zwischen 10 Uhr und 10:30 Uhr kommen wir zurück zur Lodge und dann dauert es auch nicht mehr lange, bis das Mittagessen aufgetischt wird. Es gibt bunte Salate, Auflauf, Pizza oder ähnliches. Jeden Tag ein bisschen anders, aber immer lecker! Nach dem Mittagessen gibt es eine Siesta. Die anderen verziehen sich in die Zelte, aber ich lasse es mir nicht nehmen, in den Pool zu springen. Herrlich erfrischend (und damit meine ich: Saukalt!). Pünktlich um 16:30 Uhr sitzen wir dann wieder auf dem Pferd für unseren Sundowner Ritt, gestärkt von leckerem Kuchen. Unsere Mission: Nashörner. Wie wir die Mission bestreiten: Chaotisch. Ist sie erfolgreich: na logo! Die Sonne steht schon tief am Himmel, als wir auf einer Lichtung einen jungen Nashornbullen sehen und uns nähern können. Es dauert eine ganze Weile, bis er genug von uns hat und ins Dickicht abhaut.

Die Gruppe ist ziemlich happy, dass sie mit mir eine persönliche Fotografin auf dem Ritt haben und alle posen gerne für meine Fotos. Ich bin aber ziemlich schnell auch gut darin, tolle Fotos von unseren Wildlife Begegnungen „on the go“ zu machen. Mein Versuch, die Fotos für alle Verfügbar zu machen und in eine Dropbox zu laden, resultiert jedoch im Ausfall des W-LAN Netzes für einen Nachmittag.. Upsi? Das war jedenfalls das erste und letzte Mal, dass ich dem afrikanischen W-lan solche Strapazen zumute. Der Upload muss einfach warten, bis ich wieder in Deutschland bin.

In der Nacht halten uns die Hyänen für eine ganze Weile wach. Aber jedes Mal, wenn ich versuche, das Gebrüll aufzunehmen, herrscht totenstille. Ist es irgendein Naturgesetz, oder der Vorführeffekt?! Es wird mir während dieser Reise noch ein paar Mal so gehen, dass die Tiere genau zu wissen scheinen, wann man die Kamera rausholt. Vielleicht versuche ich‘s das nächste Mal mit der versteckten Kamera.

Am Morgen bin ich daher nicht ganz ausgeschlafen, als ich zum Frühstück erscheine. Ganz getreu dem Klischee, sind die Deutschen immer die ersten am Frühstückstisch und erscheinen (fast) immer pünktlich zu den Aktivitäten. Und wenn es mal eine Verspätung gibt, liegt es in der Regel an mir – der Chaoskönigin… Ich habe mich aber ganz gut im Griff, da ich keine Sekunde dieser fantastischen Reise vertrödeln will!

Es geht also wieder um 7 Uhr los, ich reite wieder das Baby Mitchell, und wir machen uns wieder auf die Suche nach den Löwen. Diesmal wollen wir aber wirklich Glück haben! Für eine ganze Weile schlendern wir durch den Busch, die Pferde und die Gäste benehmen sich einigermaßen, alle Hufeisen bleiben wo sie hingehören und es dauert nicht lange, bis uns die erste Giraffe über den Weg läuft. Wir beobachten eine Weile, während Philip uns mit den Fakten unterhält. Dann reiten wir weiter und entdecken schon bald darauf etwas im Busch: noch mehr Giraffen! Dieses mal haben wir aber eine tolle Begegnung mit einer Mama und ihrem Baby. Da das Baby schon ein paar Monate alt ist, dürfen wir sogar recht nah ran, bevor die beiden weiter ziehen. Über Funk hören wir von der Location der Löwen und machen uns auf dem Weg dorthin. Ein Fahrzeug einer anderen Lodge kommt uns entgegen und die Guides erzählen uns genaueres zum Ort, an dem die Löwen sich gerade befinden. Gestern haben sie wohl ein Zebra und einen Leoparden verspeist, daher liegen sie heute nur Faul im Flussbett und sonnen sich die vollen Bäuche. Zu unserem Glück – und zum Pech für die Gäste im Safarijeep, sind die Löwen so versteckt dass man sie vom Weg aus nicht sehen kann. Aber mit den Pferden müssen wir ja nicht auf dem Weg bleiben! Wir schlängeln uns durch das Flussbett, bis wir in der Ferne die Familie entdecken. Ganz langsam bewegen wir uns vorwärts und bleiben schließlich am gegenüberliegenden Ufer stehen, mit fantastischem Blick auf die Tiere: 3 Männer und 2 Mädels… Nur die Mama mit den zwei Baby‘s, die noch zum Rudel gehört, fehlt. Na dann hoffen wir mal, dass sie sich nicht von hinten an uns anschleicht!

Das Sighting ist wirklich beeindruckend. Die Löwen haben uns definitiv auf dem Schirm und knurren, was das Zeug hält. Zwei von ihnen schleichen sich auch ein bisschen an, aber merken dann relativ schnell, dass der Aufwand uns anzugreifen zu hoch ist. Irgendwann steht der älteste Löwe auf uns dreht uns den Po zu, um zu trinken. Wirklich ein beeindruckender alter Herr! Ganz beflügelt von diesem Erlebnis drehen wir langsam um und machen uns auf den Weg zurück zur Lodge, wo schon wieder das herrliche Mittagsbuffet auf uns wartet. Es ist Pizza Tag!

Kurz vor dem Mittagessen fährt dann ein kleiner Bus vor, und einige Kinder mit grünen T-Shirts steigen aus. Es sind Kinder, die gerade die DAKTARI Bush School & Wildlife Orphanage besuchen, eine lokale Organisation die Umweltbildung für einheimische Schulkinder anbietet. Einmal pro Woche wird für die Kinder ein Ausflug zu Wait A Little organisiert, wo sie eine Führung über die Farm bekommen und über verschiedene Zukunfts- und berufliche Perspektiven (z.B. als Koch, Pferdepfleger, Gärtner, etc.) lernen. Eine richtig gute Sache, finde ich!

Am Nachmittag unternehmen wir einen Game Drive mit Sundowner. Heather, die für ein paar Wochen bei Wait A Litte aushilft, fährt unseren Jeep und macht sich auf die Suche nach den Besten Sightings für uns. Ein bisschen hoffe ich ja, dass wir die Elefanten suchen können. Aber dann kommt per Funk die Nachricht, dass ganz in der Nähe eine Gruppe Geparden gesichtet wurde. Heather kennt die Geparden ziemlich gut, da sie einige Zeit lang in der Research-Gruppe des Reservats mitgearbeitet hat. Also wissen wir genau, wo wir hinmüssen um die drei Jungs zu sehen. Alles kommt wirklich ideal zusammen: die goldene Stunde im Busch, die Stimmung der Gruppe und schließlich die drei Großkatzen, die ganz unberührt einen halben Meter vor unserem Jeep entlanglaufen und sich schließlich in der Nähe hinlegen um den Rest der Sonne zu genießen. Aber auch über alle anderen Tiere des Buschs weiß Heather viel zu erzählen. Zum Beispiel, dass Impalas ihrer Meinung nach total „overrated“ sind. Kleiner Versprecher, eigentlich wollte sie uns darauf hinweisen wie fantastisch das Paarungs- und Geburtentiming der Impalas ist, um maximale Überlebenschancen zu garantieren. Also alles andere als overrated, aber den Versprecher lassen wir sie garantiert nie wieder vergessen. Zum Sundowner fahren wir an einen Damm, in dem die Hippos den Tag verbringen. Heather baut eine kleine Bar auf und mixt uns einen Gin&Tonic. Währenddessen werden die Hippos immer aktiver und unterhalten uns mit ihrem Gebrüll. So richtig aus dem Wasser raus traut sich aber noch keins. Auf dem Weg zurück zur Lodge ist es dann schon dunkel – und da wir die tagaktiven Wildtiere nicht stören wollen, halten wir uns bei den Sichtungen von Giraffe, Nashorn & Co. Nicht mehr wirklich lange auf.

Heute ist Umzugstag! Aber erst am Nachmittag. Der Morgen startet erst einmal ganz normal mit frühem Aufstehen, schnellem Frühstück und einem morgendlichen Safariritt. Ich bekomme nochmal Mitchell, den „kleinen“ Friesen. Und der Ritt fängt schon einmal unglaublich gut an: Wir sind noch keine Minute von der Lodge entfernt, kreuzen plötzlich zwei Leoparden unseren Weg. Sie haben es aber ziemlich eilig, wieder ins Gebüsch zu kommen und niemand hat so schnell eine Kamera parat. Zu ärgerlich – zählt ein Sighting wenn es keinen Fotobeweis gibt?! Wir beschließen: Ja. Alle anderen werden uns einfach glauben müssen, dass wir die Leos gesehen haben! In der Nähe wurden außerdem ein paar Nashörner gesichtet, die wir letztendlich auch in einem Flussbett finden. Die beiden sind noch ziemlich jung und extrem Neugierig. Daher testen sie die Grenzen und schleichen sich an. Philip und Jo beobachten die Situation jedoch genau. Als einer der Bullen zu nahe kommt, gibt es auch mal ein Machtwort und die Tiere treten den Rückzug an. Sie sind aber ganz friedlich und man merkt ihnen an, dass sie in der Situation wirklich nur Neugierig waren, wer wir sind. Also keiner war darauf aus, uns anzugreifen. In der Mittagspause bleibt kurz Zeit, in den Pool zu springen und einen kleinen Rucksack mit den wichtigsten Dingen für die nächsten zwei Tage zu packen. Diese verbringen wir nämlich nicht bei Wait A Little. Unser Gepäck wird mit dem Auto vorgefahren, während wir uns wieder auf die Pferde schwingen (diesmal reite ich wieder Hardy) und uns auf den Weg zum Beacon Rock machen. Auf der kleinen Anhöhe erwartet und bereits ein Lagerfeuer und ein liebevoll gerichtetes Camp für eine Nacht unter dem Sternenhimmel. Naja, zumindest für diejenigen, die wollen. Wer nicht ganz draußen schlafen will, kann in einer überdachten, halb offenen Hütte schlafen. Die Pferde werden vom Team versorgt und an der High Line angebunden, während wir auf den höchsten Punkt des Felsen klettern um den Sonnenuntergang zu beobachten. Kurz vor dem letzten Anstieg dann jedoch ein leises rascheln im Laub, gefolgt von einem Aufschrei von Candice, die direkt vor mir geht. Ich schaue mich um und entdecke gerade noch einen Blick auf eine graue Schlange, die sich von uns weg bewegt und in eine Felsspalte flüchtet: die schwarze Mamba! Ich weiß nicht, was beeindruckender ist: das Sighting oder der Sonnenuntergang vom Beacon Rock. Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, klettern wir den Felsen wieder hinunter und versammeln uns mit einem Drink am Feuer, während Jo für uns das Abendessen zubereitet, welches wir dann unter dem Sternenhimmel im Licht der Kerzen essen.

Der eine oder andere Gin-Tonic bringt uns letztendlich dazu, die wildesten Storys aus unserem Leben auszupacken. Das Camp schweißt die Gruppe noch weiter zusammen und in der WhatsApp Gruppe passieren eigenartige Dinge, wobei die „zuhausegebliebenen“ Teammitglieder sich schon melden mit: ihr werdet eine Menge zu erklären haben! Aber: was im Camp passiert, das bleibt im Camp! Daher kann ich an dieser Stelle leider nicht erklären, warum wir unsere eigentlichen Namen gegen Meatball, Black Mamba, Bushbaby, Bullrider, Hawkeye und noch interessantere Varianten eingetauscht haben. Dafür hättet ihr schon dabei gewesen sein müssen!

In dieser Nacht muss ich nicht alleine schlafen, denn unsere Aufpass-Hündin fühlt sich bei mir sehr wohl und verlässt meine Matratze die ganze Nacht nicht. Es ist zwar nicht die bequemste Schlafposition, aber immerhin hab ich jemanden zum Kuscheln gefunden.

Am Morgen treffen wir uns wieder auf dem Felsen, diesmal um den Sonnenaufgang auf der gegenüberliegenden Seite anzuschauen. Bis wir wieder im Camp sind, duftet es wunderbar nach Frühstück: es gibt auf dem Feuer geröstete Käsesandwiches mit Aprikosenmarmelade. Was für ein Genuss! So sind wir gut gestärkt, als wir für den längsten Ritt aufbrechen. Wir verlassen das Karongwe Reservat und reiten über die Straße nach Makalali, ein noch größeres Reservat. Hier haben wir noch einmal die Chance, alle Big 5 und sogar die gefährdeten Spitzmaulnashörner zu sehen. Ich jedenfalls hoffe inständig auf die Elefanten, da es mein letzter Ritt bei Wait A Little ist – obwohl ich mittlerweile schon langsam an den Pferdesafari-Fluch glaube. Als meine Kollegin Patricia vor zwei Jahren hier war, hat sie auch keine Elefanten gesehen – obwohl die Chancen bei Wait A Little normalerweise richtig gut sind, zumindest einmal die Herde vom Pferderücken aus zu sehen. Die Safari-Götter wollen mir anscheinend nicht gnädig sein… Ich will ja nicht meckern, denn auch ohne Elefanten ist die Safari und jedes Sighting ein einmaliges Erlebnis! Aber es wäre sooo schön die Herde zu sehen, die gerade wohl auch ein Baby dabei hat.

Ziemlich bald nach der Ankunft in Makalali steigt Jo vom Pferd, um uns eine Spur auf dem Boden genauer zu erklären. Eines der Spitzmaulnashörner ist hier entlang gegangen, gestern Abend vermutlich. Jo erklärt uns, wie man die Spuren der Spitz- und Breitmaulnashörner auseinander halten kann: Wenn man einen Kreis um den Fußabdruck malt (oder sich den Kreis denkt) und die Zehen eingeschlossen sind, ist es ein Spitzmaulnashorn. Wenn die Zehen aus dem Kreis herausragen, ist es ein Breitmaulnashorn. Wir verfolgen die Spur eine Weile, jedoch ist das Nashorn schon weiter gewandert. Heute ist einer der heißesten Tage und während dem Ritt fangen wir langsam an zu fantasieren: von einem kühlen Radler, dem Sprung in den Pool nach Ankunft auf der Lodge oder einem Mittagsschlaf im klimatisierten Zimmer. Einigen hängt wohl der Gin-Tonic und der wenige Schlaf der letzten Nacht noch etwas nach. Als dann die Lodge in Sicht kommt, sind wir daher nicht Böse, absteigen zu können und den Pferden, sowie uns selbst, eine Pause zu gönnen. Begrüßt werden wir vom Team der Xidulu Lodge direkt einmal mit einem Glas Champagner und einem kühlen Handtuch, mit dem wir uns Dreck und Schweiß aus dem Gesicht waschen können. Auch Candice erwartet uns schon in der Lodge, zeigt uns die Zimmer und versorgt und mit dem wichtigsten: Drinks und W-lan. Der Mittagssnack besteht aus Fleischbällchen, Salaten und leckerem Brot. Jo, der zuerst dachte die Fleischbällchen wären vegetarisch und aus Gemüse, sprintet plötzlich zu Lina und klaut ihr das Fleischbällchen direkt vom Teller. Die arme Lina bleibt völlig verdattert zurück. Bis wir die Situation aufklären und Jo sagt, er dachte Lina wäre die Vegetarierin in unserer Runde und er wollte sie davor bewahren, aus versehen Fleisch zu essen. Lina ist aber gar keine Vegetarierin und die ganze Situation endet in einem Lachkrampf, den wir so schnell nicht vergessen. Insgeheim denken wir ja, Jo wollte sich einfach die Besten Stücke selbst nehmen.

Den Nachmittag genießen wir im bzw. am Pool und beobachten die Tiere, die an den Damm zum trinken kommen. Da sind Hippos, Krokodile, Störche, Warzenschweine, Impalas, und schließlich kommen auch noch einige Zebras, Giraffen und zwei Büffel vorbei. Nur die Elefanten wollen sich nicht blicken lassen. Später brechen wir zu einem Game Drive auf. Die Location der Elefanten ist bekannt aus dem Buschfunk, allerdings ist es eine ca. 20 Minütige Fahrt dorthin. Daher müssen wir uns entscheiden: wollen wir zu den Elefanten fahren, aber dafür nicht wirklich bei anderen Sightings verweilen? Die Antwort ist eindeutig, und so drückt unser Fahrer aufs Gaspedal und los geht die wilde Fahrt. Wir kommen gerade rechtzeitig an einer Stelle an, an der die Straße das trockene Flussbett durchschneidet. Hier läuft uns eine beeindruckende Elefantenkuh vor die Nase. Sie scheint es aber eilig zu haben, der Rest der Familie ist schon im Dickicht verschwunden und sie muss hinterher. Eine Minute später, und wir hätten sie verpasst. Ich bin so dankbar für diese kurze, aber wundervolle Begegnung. Auf dem Weg zu einer Anhöhe, wo wir den Sundowner verbringen, kommen wir noch an einem kleinen Wasserloch vorbei, an dem wir zwei Giraffen und zwei Nashörner treffen. Auch hier verweilen wir ein bisschen, bis sich ein anderes Fahrzeug nähert und die Tiere weiter in den Busch hinein wandern, wo wir sie nicht mehr sehen können.

Mit einem Gin&Tonic und ein paar Snacks beenden wir den Game Drive pünktlich zum Sonnenuntergang. Wir nutzen die Gelegenheit noch für ein paar Gruppenfotos – alle sind traurig dass ich morgen schon weiter ziehen muss und ich bin in einer Zwickmühle zwischen dem Wehmut, die tolle Gruppe zurückzulassen und der Vorfreude auf die Abenteuer, die noch vor mir liegen.

Ich werde frühs um 6:30 Uhr am 4. September abgeholt, doch bevor ich mich fertig machen kann erhasche ich ein Blick auf das Wasserloch und das Spitzmaulnashorn, das hier gerade zum Trinken hergekommen ist. So schnell bin ich noch nie zu meiner Kamera gerannt, im T-Shirt und Unterwäsche renne ich raus, um das Sighting einzufangen. Im Moment ist noch niemand anderes wach, da kann man für so einen wichtigen Anlass auch mal ohne Hose raus gehen. Heather wird ziemlich neidisch sein, das Sighting verpasst zu werden. Sie arbeitet schon seit mehreren Jahren in Naturschutzprojekten in Südafrika und hat noch nie eines der Spitzmaulnashörner zu Gesicht bekommen, obwohl dies ihre Lieblingstiere sind… Manchmal darf ich wohl auch Glück haben!

Nun war es leider schon Zeit, mich von Wait A Little und dem Team zu verabschieden. Clare bringt mich zum Flughafen und ich bin schon ein bisschen nervös, weil wir so knapp dran sind. Aber da der Flughafen in Hoedspruit winzig ist, muss man auch nicht wirklich lange vor Abflug da sein. Als mir dann aber kurz nachdem wir das Reservat hinter uns gelassen haben auffällt, dass mein Reisepass noch sicher verwahrt im Wait A Little Safe liegt und wir noch einmal umkehren müssen, wird auch Clare ein bisschen nervös. Trotzdem kommen wir noch rechtzeitig an, sodass ich sogar noch eine halbe Stunde warten muss bis die Sicherheitskontrolle überhaupt öffnet…

Hier findest du die Ritte von Wait A Little auf unserer Website:
Big 5 Safari
Big 5 Camp Safari
Big 5 Ride & Dine Safari

Hier findest du den nächsten Teil des Reiseberichts: Teil 2 – Moolmanshoek

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Alexa Kern

Alexa ist für jedes Abenteuer zu haben! Seit 2022 sitzt sie für pferdesafari im Sattel und ihre Reise-Bucketlist erweitert sich stetig. Sie hat bereits eine Zeitlang als Guide auf einem Reiterhof in Schweden gearbeitet und wohnt nun Teilzeit in Irland – an einem Ort hält es sie jedoch nie lange. Ihr liebstes pferdesafari-Erlebnis bisher ist ein schneller Galopp in den Bergen von Montenegro und der coolste Stempel in Ihrem Reisepass ist eSwatini.

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