Eine Woche Winter in Schweden liegt hinter mir, was soll ich sagen ? Es war atemberaubend und mir war nicht klar, wie wunderschön, einzigartig und erholsam diese Reise sein würde. Ich habe eine Woche in schwedisch Lappland beim Winterritt im Januar verbracht und hatte eine wunderschöne Zeit bei Flo und Rianne in Boliden. Die Reise ist eine perfekte Mischung aus Natur, schwedischem Leben, Reiten, Ruhe und weiteren Abenteuern rund um den Schnee.
Meine Reise beginnt früh am Sonntag Morgen, ich fliege um 06 Uhr ab Stuttgart über Stockholm nach Skellefteå. Dort werden ich und 4 weitere allein reisende Reiter am Nachmittag vom Flughafen abgeholt. Wir sind eine bunte Truppe aus der ganzen Welt. Wir werden mit -25 Grad in schwedisch Lappland empfangen und das war erst mal ganz schön frostig 😉 Aber die kalten Temperaturen bringen schon am ersten Abend die Nordlichter zu uns, so fahren wir die ca. 45min vom Flughafen zur Unterkunft mit dem wunderschönen Naturschauspiel am Himmel. Unsere Unterkünfte sind kleine Stugas (Hütten) auf einem idyllischen Campingplatz direkt an einem zugefrorenen See. Wir genießen den ganzen Abend wunderschöne Augenblicke im Schnee mit den Nordlichtern!

Nach einem leckeren Abendessen und Nachtisch fallen wir müde und voller Vorfreude auf den ersten Tag ins Bett.
Nach einem gemeinsamen Frühstück werden wir gegen 09 Uhr am Campingplatz von Rianne abgeholt. Sie übernimmt für die Woche unsere Begleitung zu den verschieden Orten. Zu den Pferden bzw. zum Hof sind es ca. 15 min Fahrt.
Heute haben wir ca. -30 Grad und es ist selbst für hier außergewöhnlich kalt. Aber wir werden am Hof direkt gut ausgestattet, um unseren 2h Ausritt bei dieser Kälte gut zu überstehen. Wir bekommen warme Schuhe, Handschuhe und Overalls zum Reiten. Dick eingepackt geht es dann los zu den flauschigen Isländern. Jeder bekommt ein passendes Pferd zugeteilt und macht sich erst mal dran sein Pferd vom Schnee und Eis zu befreien. Nach dem Satteln und Putzen geht es dann auch schon los. Wir reiten 2h lang bei -30 bis -35 Grad durch die eingeschneite Landschaft – es ist wunderschön. Wir hören nur uns, die Pferde und das knirschen des Schnees – Entspannung pur! Ab und an versuchen wir uns an Tölt und Galoppieren auch immer wieder durch den Schnee. Am Ende kommen wir wenn auch etwas eingefroren zurück zum Hof und sind sehr glücklich, gerade durch die extreme Kälte ist es ein ganz besonderes Abenteuer.






Mittags wärmen wir uns dann nach dem Versorgen der Pferde im Haus bei einem leckeren Eintopf und Keksen auf. Am Nachmittag gehen wir mit unseren Pferden auf den Reitplatz und machen etwas Bodenarbeit mit den Pferden, am Ende gibt es sogar einen kleinen Wettbewerb: wer schafft es am schnellsten und fehlerfrei durch den Parcours? Meine Gruppe gewinnt ! 😁 Ich finde es toll, dass wir uns auch neben dem Reiten mit unseren Pferden beschäftigen, um sich besser kennen zu lernen. Nach einer kleinen Fika (= Kaffeepause) in der Kota (=Grillhütte) am Feuer, werden wir gegen 16:30 Uhr wieder zur Unterkunft gebracht. Dort haben wir bis 19 Uhr Zeit für uns zum entspannen und duschen. Nach einem lustigen Abendessen fallen wir müde in die warmen Betten. Der Tag war zwar wirklich kalt aber mit dem richtigen Zwiebellook war es doch gut machbar. Im laufe der Woche soll es aber von Tag zu Tag wärmer werden.
Am zweiten Tage steht ein Ganztagesritt auf dem Programm, dafür werden wir morgens nach dem Frühstück abgeholt. Zum Glück ist es bei -20 Grad schon nicht mehr ganz so kalt – es mag komisch klingen, aber man merkt es direkt. Am Hof ziehen wir uns erst mal wieder die warmen Overalls zum Reiten an und machen uns dann auf den Weg die Pferde zu holen und fertig zu machen. Die Reiter haben die ganze Woche die gleichen Pferde, also mach ich wieder die klein Stute Pórey fertig. Heute bekommt jeder auch Satteltaschen mit der Verpflegung für den Tag und das Mittagessen mit. Und dann reiten wir auch schon los, auch heute geht der Ritt wieder durch die wunderschöne verschneite Winterlandschaft, vorbei an zugefrorenen Seen und kleinen Holzhütten, die im Sommer zum Heu trocknen dienen. Wir erleben mehrerer schöne Galoppaden durch den Schnee und kommen nach ca. 2h bei einer kleine Schutzhütte an einem ebenso zugefrorenen und schneebedeckten See an. Dort werden die Pferde erst mal versorgt und wir machen ein Feuer um uns aufzuwärmen und auch Sandwichs für das Mittagessen über dem Feuer zu grillen. Nach der Stärkung und der Pause werden traditionell noch Schneeengel auf dem zugefrorenen See gemacht, bevor wir uns wieder für den Rückweg fertig machen.
Zurück reiten wir zunächst lange durch einen dichten Birkenwald. Hier gibt es auch noch keine Schneespuren und wir kommen durch den tiefen Schnee etwas langsamer voran, aber es ist wunderschön. Später kommen wir dann wieder auf etwas breitere Wege und reiten mit ein paar schnellen Galopps zurück zum Hof. Dort angekommen werden die Pferde abgesattelt und noch mal etwas geputzt, bevor wie sie wieder zurück zur Herde bringen. Dann geht es für und noch mal in die Kota, wo wir Tee und Kekse am Feuer genießen. Was für ein toller Tag im Sattel! Zurück an der Unterkunft fallen wir nach einem leckeren Abendessen müde ins warme Bett.




Der Nächste Tag ist ein reit-freier Tag, aber trotzdem voller tierischen Abenteuer. Wir werden morgens abgeholt und fahren ca. 20 min zu einer kleinen Farm mit geretteten Schlittenhunden. Dort werden wir von den beiden deutschen Basti und Jenny begrüßt. Die beiden sind vor 2 Jahren nach Schweden ausgewandert und haben dort einen kleinen Hof gekauft, auf dem sie jetzt ca. 25 gerettet Huskys aus schlechter Haltung haben. Manche von den Hunden genießen einfach nur ihre Rente, einige werden aber auch noch in Maßen für Schlitten-Touren und Wanderungen eingesetzt. Vor Ort merkt man sehr schnell, dass jeder Hund hier sehr geliebt wird und alle ihre eigene Geschichte haben.
Basti und Jenny teilen uns zu zweit in Teams ein und dann bekommen wir erklärt, wie man den Schlitten lenkt und bremst, sowie auch bergauf anschiebt wenn nötig. Und schneller als wir reagieren können geht es auch schon los und wir machen eine 1-1,5h stündige Schlittenhund-Tour. Die Hunde laufen anfangs sehr motiviert los und wir genießen die Fahrt durch die wunderschöne Landschaft. Ab ungefähr der Hälfte wird getauscht und ich darf ans Steuer. Es ist gar nicht so schwer, wie es aussieht und ich habe nach kurzer Zeit den Bogen raus. Und was soll ich sagen… es machte unglaublich Spaß!! So etwas kann man gar nicht in Wort fassen, die wunderbare Landschaft, die motivierten Hunde und das Fahren mit dem Schlitten, war einfach unbeschreiblich. (Tipp: Schlittenhunde-Touren die länger als 1,5-2h gehen, sollte man aus Tierschutzgründen nie buchen!)
Total überwältigt kehren wir nach der Tour zum Hof zurück und helfen noch dabei, alles wieder aufzuräumen. Danach verabschieden wir uns auch schon. Aber nur bis morgen, da werden wir noch mal einen Vormittag mit Lapland.Adventures und ihren tollen Huskys verbringen.
Von der Husky Farm geht es nach einer kurzen Fahrt weiter zu einem echten Rentierhirten, dort werden wir in der Stuga erstmal mit Mittagessen versorgt. Es gibt natürlich Rentier 😉. Frisch vom Grill bekommen wir leckere Pitas mit Rentierfleisch – vegetarisch ist natürlich auch möglich.
Nach dem Essen sitzen wir noch am Feuer und der Hirte Börje erklärt uns viel über sein Leben, die Tradition und die Arbeit. Einst waren die Sami Nomaden, die mit ihrer Herde über das Land zogen. Heute bevorzugen die meisten Hirten jedoch einen festen Standort. Wir erfahren auch, das die durch die Erderwärmung hervorgerufenen Temperaturschwankungen im Winter das Halten von Rentieren immer schwerer machen. Früher liefen die meisten Rentiere frei umher und wurden nur einmal im Jahr zusammen getrieben, heute müssen im Winter viele Tiere und vor allem auch die Jungtiere in großen Gehegen gehalten zugefüttert werden, was zu erheblichen Kosten führt. Die Temperaturen stiegen im Laufe der Winter immer wieder über die 0 Grad-Grenze, was dazu führt, dass der Schnee antaut und wieder gefriert. Dadurch entstehen Eisplatten, die die Tiere nicht durchdringen können und so nicht an die Nahrung unter dem Schnee kommen. Nach dem langen und sehr informativen Gespräch gehen wir dann auch noch die Rentiere besuchen und dürfen sie mit ein paar Leckereien füttern. Nach diesem tollen Tag fahren wir dann sehr glücklich zurück zur Unterkunft und lassen den Abend gemeinsam ausklingen.








Der 4. Tag ist auch schon der letzte volle Tag dieser tollen Reise. Morgens werden wir mit dem Taxi wieder zu Lapland.Adventures gefahren, wo ein weiteres Husky Abenteuer auf uns wartet – Schneeschuhwandern mit den Hunden. Nachdem wir die passenden Schneeschuhe und das Geschirr für die Hundeleine anhaben geht es auch schon los auf die 90 minütige Tour. Ich bin ganz vorne weil ich einen sehr schnellen und erfahren Husky habe (Mailo), der die Gruppe anführt. Ich muss sagen, das es schon recht anstrengend war, aber total Spaß gemacht hat. Durch diese wunderschöne und stille Schneelandschaft zu laufen ist einfach ein besonderes Erlebnis. Man kann sich an dem Winterwunderland auch nicht satt sehen. Ein tolles Erlebnis für Mensch und Hund. Nach der sportlichen Wanderung, gibt es eine Stärkung in der Kota mit leckerem Gulasch und selbst gebackenem Bort am Feuer.
Danach heißt es auch schon Abschied nehmen, denn es geht für uns zurück zur Unterkunft wo wir uns etwas ausruhen und umziehen können, bevor es dann am Nachmittag noch mal zu den Pferden geht. Wir machen einen Mondscheinritt in der Dunkelheit. (Sonnenuntergang im Januar in Schweden gegen 15 Uhr) Dabei war ich zunächst etwas unsicher, aber durch den vielen Schnee ist es doch gar nicht so dunkel und es ist sehr mystisch durch den dunklen Schneewald zu reiten. Die Pferde sind absolut sicher und souverän bei dem wenigen Licht und es ist ein sehr besonderes und naturnahes Erlebnis. Es war ein gelungener Abschlussritt, auch mit ein paar kurzen Galopps. Nach dem Ritt versorgen wir die Pferde und genießen den letzten Abend bei leckerem Essen in der Kota am Feuer. Wer möchte, kann auch noch die finnische Sauna benutzen. Diese hat einen wunderschönen Blick auf den Nachthimmel und vielleicht sieht man auch ein paar Nordlichter dabei. Gegen später, heißt es dann Abschied nehmen vom Hof und den Pferden, denn am nächsten Morgen geht es für uns ja schon zurück zum Flughafen. Am Abend fallen wir alle müde und glücklich ins Bett.
Der Abreisetag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück und Rianne fährt uns dann zum Flughafen. Der Abschied nach dieser tollen und mit Abenteuern gefüllten Woche ist schwer. Aber ich verspreche mir, das war nicht mein letzter Winter in Schweden. Voll toller Erinnerungen und Dankbarkeit steige ich in das Flugzeug nach Stockholm, wo ich noch 3 Tage verbringen werde. Die Woche bei Rianne und Flo war einfach wunderschön und absolut voller Marmeladenglas Momente!
Wenn ihr also nächsten Winter noch keine Pläne habt, rate ich euch, fliegt nach Schweden und macht den Winterritt in schwedisch Lappland. Ihr werdet es nicht bereuen! Hier findest du den Ritt auf unserer Website: Winterritt in schwedisch Lappland.
Tipps für eine Anschlussreie in Stockholm
Ein Anschlussaufenthalt in Stockholm bietet sich beim Winterritt in schwedisch Lappland gut an, da die Flüge nach Skellefteå in der Regel über Stockholm gehen. Hier sind unsere Empfehlungen:
- Hotel in der Stadt: Hotel Hellstens Malmgård
- Restaurant Empfehlungen: V Italiano Moderno, Meatballs for the People (die besten Köttbullar der Stadt), Pinchos
- Einfacher Transfer vom Flughafen direkt in die Stadt mit dem Arlanda Express
Was man in Stockholm gemacht haben muss:
- Schärengarten Rundfahrt mit dem Boot (Insellandschaft Rund um Stockholm)
- Stadtrundfahrt mit Bus oder Boot
- Djurgården – Museumsinsel in Stockholm
- Junibacken – Astrid Lindgren Museum
- Vasamuseum – das Kriegsschiff aus 1628 sank bei seiner Jungfernfahrt
- Abba Museum – mittanzen garantiert
- Königliches Schloss Stockholm
- Altstadt (Galma Stan) – Bummeln & Fika – im Café eine Zimtschnecke essen und Glögg trinken
- Stadshuset – Stockholmer Rathaus (tolle Arichtektur in Stil der Nationalromantik)
- Skinnarviksberget – super Aussichtspunkt auf einem Hügel mit Blick über die Stadt
- Stadtbibliothek Stockholm




