Schloss Sindlingen

– von Schlossgeistern und der Erfüllung lang gehegter Träume

Unweit der Universitätsstadt Tübingen, in Baden- Württemberg, befindet sich das charmante Reiterhotel „Schloss Sindlingen“. Genau das Richtige für ein langes Wochenende, dachte ich mir, und habe die Reisetasche mal wieder gepackt, eine Freundin geschnappt und bin ins Auto gestiegen. Empfangen wurden wir von strahlendem Sonnenschein und Pferdeduft – schöner hätte der Start in das Wochenende nicht sein können! Es dauerte eine Weile, bis wir jemanden gefunden hatten, der uns die Schlüssel für unser Zimmer geben konnte, auf dem verwinkelten Areal des Schlosses ist es gar nicht so einfach sich zurecht zu finden. Nachdem wir dann aber einchecken konnten, haben wir uns direkt in die Reitsachen geschmissen und uns auf die Suche nach Ira gemacht, die das Hotel und die Reitschule betreibt. Der Betrieb ist seit mehreren Generationen in den Händen der Familie Pape und schon beim Betreten der Räume merkt man, wie sehr die Familiengeschichte in den Gemäuern lebt. Überall sieht man Bilder von Turnieren oder Jagden, an denen die Familienmitglieder teilgenommen haben und die Pokale, die sie gewonnen haben. Es ist wie ein kleines Museum und es gibt überall was zu bestaunen!

Wir haben uns mit Ira dann am frühen Abend für einen Ausritt verabredet. Die Pferde wurden uns heute bereits fertig gesattelt übergeben. In den nächsten Tagen haben wir die Pferde dann immer selbst geputzt und gesattelt, aber dazu später mehr. Für den Ausritt habe ich den schönen Spanier Ganador bekommen, er war gut gelaunt und hat sich auch sichtlich über den Ausflug gefreut. Das Ausreitgelände rund um Sindlingen ist ein Traum – es gibt Wälder, Felder und Wiesenwege auf denen man sich austoben kann. Hier konnten wir den ersten Mai so richtig genießen! Sogar Wildtiersichtungen haben wir erlebt – ein Reh, eine Blindschleiche und jede Menge Radfahrer in ihrem natürlichen Habitat. Nach dem Ausritt durften die Pferde sich noch auf der Koppel entspannen und für uns gab es Abendessen auf der schönen Terrasse des Schlosses. Hier wird gute deutsche Hausmannskost serviert – oft mit einer Suppe als Vorspeise und Salatbeilage. Hungern muss hier auf jeden Fall niemand. Beim Abendessen kam dann noch einmal Ira an unseren Tisch, um den Plan für den nächsten Tag zu besprechen.

Nach einer erholsamen Nacht und dem Frühstück um 8 Uhr, konnten wir auch schon auf den Reitplan schauen: dieser hängt jeden Tag im Foyer des Hotels aus. Darauf kann man sehen, wann man mit welchem Pferd wo zur Reitstunde erscheinen sollte. Die Pferde werden hier immer selbst von den Gästen aus der Box geholt, geputzt und gesattelt. Anfänger bekommen natürlich Hilfe dabei. Für mich ging‘s am Vormittag mit „Dolla Frank“ in die Springstunde, meine Freundin Pia war mit „Zarina“ in der Dressurstunde eingeteilt. So konnten wir uns gegenseitig von der Bande zuschauen. Da ich seit über 10 Jahren nicht gesprungen bin, wollte ich gerne den Kurzurlaub nutzen, mich wieder ein wenig an den Springsattel zu gewöhnen. Aber das war nicht das einzige Gewöhnungsbedürftige an der Reitstunde – zuhause reite ich meinen Isländer „Máni“, der zwar mit seinen 1,48m Stockmaß groß ist für einen Isländer aber dann doch nicht mit dem 1,90 m Riesen „Dolla“ mithalten kann. Ob ich vielleicht ein bisschen nervös war vor der Reitstunde?

Wir haben natürlich relativ klein angefangen, sodass „Dolla“ vermutlich auch über die Hindernisse hätte laufen können. Aber er ist ein Gentleman und hat vorbildlich mitgemacht. Nach den ersten paar Sprüngen in der Halle, ging‘s für uns noch auf den Geländeplatz, wo wir erst ein paar einzelne Baumstämme überspringen sollten und dann noch einen kleinen Parcours inklusive Wasser durchritten haben. Da ist ein kleiner Traum von mir wahr geworden, mich hat es schon seit Jahren interessiert in das Geländespringen „reinzuschnuppern“. Am Ende wäre ich am liebsten zur Abkühlung selbst in den Teich gesprungen, so anstrengend war‘s. Soll noch einmal jemand sagen, Reiten sei kein Sport! Ich war mit der Reitstunde super zufrieden und habe mich richtig daran erfreut, etwas Neues ausprobiert zu haben. Dafür ist die weitläufige Reitanlage in Sindlingen auf jeden Fall gut geeignet, hier kommt jeder auf seine Kosten. Für die nächsten Tage war etwas schlechteres Wetter angesagt, darum haben wir uns am Nachmittag noch einmal für einen Ausritt entschieden. Dieses Mal waren wir zu sechst unterwegs, mit einer Gruppe junger Mädels, die für eine Woche Urlaub in Sindlingen zu Gast waren. Die Gruppengröße der Reiteinheiten variiert also immer ein wenig, je nach dem wie viele andere Gäste gerade vor Ort sind und welcher Gruppe diese zugeordnet werden.

Am Samstag sind wir dann mit dem Muskelkater unseres Lebens und Regen aufgewacht. Die Stimmung war also erst einmal nicht so gut, aber ein guter Kaffee und frische Brötchen haben uns dann aufgeweckt. Auf dem Plan standen heute zwei Reitstunden in der Halle – Springen am Vormittag und Dressur am Nachmittag. Für die Dressur durfte ich Iras Stute Loki reiten, an deren schwungvollen Gänge ich mich erst einmal gewöhnen musste. Hast du schon einmal eine Reitstunde gehabt und das Gefühl bekommen, zum ersten Mal auf einem Pferd zu sitzen? Ja, so ähnlich habe ich mich gefühlt. Allerdings hatte mich der Ehrgeiz dann ein wenig gepackt und ich habe mich gefreut, die letzte Reitstunde des Wochenendes am Sonntag früh noch einmal mit Loki zu machen. Beim zweiten Mal hat‘s schon viel besser geklappt und ich bin mit dem guten Gefühl, wieder etwas Neues gelernt zu haben, nach Hause gefahren.

Mein Fazit zu diesem Wochenende: die Unterkunft im Schloss ist wirklich charmant – rustikal und gemütlich. Ein echtes Reiterhotel eben. Am Anfang herrschte bei uns zwar noch ein wenig Unsicherheit, da recht viel Eigeninitiative vorausgesetzt wird und uns nicht viel zum Ablauf des Aufenthalts erklärt wurde. Aber nachdem wir das wussten, konnten wir ja auch immer explizit nachfragen wenn etwas unklar war (z.B. wo man das jeweilige Pferd für die Reitstunde findet, wo die Ausrüstung ist, etc.). Mir hat es wirklich viel Spaß gemacht und auch einen reiterlichen Mehrwert geboten, gezielten Unterricht auf Schulpferden zu nehmen und mich weiterentwickeln zu können. Die Reitstunde auf dem Geländeplatz war auf jeden Fall mein Highlight des Wochenendes. Ich kann mir auf jeden Fall gut vorstellen, öfter hierherzukommen und ein intensives Trainingswochenende zu absolvieren! Und das Schlossgespenst – das gibt es natürlich nicht! Und wenn doch, dann ist es natürlich ein pferdeverrücktes Gespenst und somit eines von den Guten.

Hier findest du den Ritt auf unserer Website: Schloss Sindlingen

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Alexa Kern

Alexa ist für jedes Abenteuer zu haben! Seit 2022 sitzt sie für pferdesafari im Sattel und ihre Reise-Bucketlist erweitert sich stetig. Sie hat bereits eine Zeitlang als Guide auf einem Reiterhof in Schweden gearbeitet und wohnt nun Teilzeit in Irland – an einem Ort hält es sie jedoch nie lange. Ihr liebstes pferdesafari-Erlebnis bisher ist ein schneller Galopp in den Bergen von Montenegro und der coolste Stempel in Ihrem Reisepass ist eSwatini.

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