& ein Geländetraining mit Ingrid Klimke am Fuße des Kilimandscharo
Mit dieser Frage bin vor allem ich, aber auch 10 weitere reise- und reitlustige Pferdemädchen nach Tansania geflogen. Wer sich schon mal mit Tansania beschäftigt hat, weiß vielleicht, wen wir gerne treffen würden. Im Deutschen ist die unbekannte Dame allerdings ein Herr und heißt Kilimandscharo und ist der höchste Berg Afrikas und der höchste freistehende Berg der Welt. Und die Frage, ob wir ihn sehen werden, ist durchaus berechtigt, denn es ist nicht ungewöhnlich, dass man sich wochenlang im Land und um den Kilimandscharo herum aufhält und ihn nicht ein einziges Mal ohne Wolken zu Gesicht bekommt. Weil ich es aber nicht für mich behalten kann, weil mir nämlich schon beim Schreiben das Grinsen im Gesicht festklebt, hier ein kleiner Spoiler – wir haben ihn jeden JEDEN!!! Tag in voller Pracht sehen dürfen. Und das ist noch viel mehr toller und
beeindruckender gewesen, als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Lange hatte ich mit dem Gedanken gespielt ihn vorab noch zu besteigen, habe mich aber aufgrund der doch sehr abschreckenden Zahlen (ca. 50.000 Menschen versuchen jährlich den Kili zu besteigen) dagegen entschieden. Nun, da er unser täglicher und friedlicher Begleiter war – morgens klar und majestätisch angestrahlt von der aufgehenden Sonne und abends beim Sundowner unter dem Sternenzelt Tansanias wie ein großer Kumpel, der nicht viel sagt, aber immer da ist, kann ich mir eine Besteigung mit hunderten anderer Menschen überhaupt nicht mehr vorstellen und möchte ihn genau so in Erinnerung behalten.

Aber erst mal auf Anfang – wir fliegen von unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Airlines nach Arusha und kommen selbstverständlich nicht alle wie geplant an. Das wäre ja auch zu schön um wahr zu sein. Da der erste Tag aber zum An- und Runterkommen gedacht ist, sind bis zur Abfahrt am nächsten Morgen alle da und wir machen uns mit den Autos auf zum Eingang des Arusha Nationalparks, wo unsere Pferde und die Crew bereits auf uns warten. Zügig sitzen alle auf ihren Vierbeinern und wir starten in unser Abenteuer im Sattel. Das erste Highlight lässt auch keine halbe Stunde auf sich warten. Wir treffen auf einer offenen Fläche auf eine Büffelherde mit ganz kleinen Babies und eine Zebraherde, die fröhlich um uns herum galoppiert. Der Arusha Nationalpark liegt am Fuße des Mount Meru und ist unfassbar grün. Offene Grasflächen mit kleinen und großen Bachläufen wechseln sich ab mit dichtem Wald, der schon fast an einen Dschungel erinnert. Eigentlich so gar nicht das, was man sich unter Tansania vorstellt. Aber wir genießen diesen saftigen Anblick und erfreuen uns an äsenden Giraffen, Zebras, Büffeln, Antilopen und auch den ersten Elefanten.
Wir reiten auf knapp 2.000 Höhenmeter und wandeln auf den Spuren von Margarete Trappe – sie war die erste professionelle Großwildjägerin Ostafrikas. Aufgrund ihres ungewöhnlichen Lebenslaufes, insbesondere als weiße Frau in einem afrikanischen Land, und ihres fairen Verhaltens gegenüber den einheimischen Massai und den Tieren, wurde sie in Tansania sehr bekannt. Man nannte sie dort die „Mutter der Massai“. Wir verbringen die Nacht in einem gemütlichen Camp, umgeben von hohen Bäumen, umsorgt mit leckerem Essen von der Crew und spannenden Geschichten am Lagerfeuer. Und alle zwei Stunden werden wir von lautem Gebrüll geweckt – im Arusha Nationalpark (und genau über meinem Zelt) gibt es eine Kolonie der vom Aussterben bedrohten Mantelaffen. Kurz überlege ich, ob wohl ihr Geschrei der Grund für ihre schwindende Zahl ist… Die Affen sind unglaublich schön und ein vom Aussterben bedrohtes Tier in freier Natur erleben zu dürfen, macht mich immer wieder demütig und zutiefst dankbar.








Am nächsten Vormittag erkunden wir mit unseren Pferden die Gegend. Mega entspannte Büffelherden mit wirklich kleinen Babies, liegende Giraffen, ein paar Tage alte Warzenschweine die so klein sind, dass man sie fast übersieht und das alles mit „her majesty“ auf der einen Seite und Mount Meru auf der anderen Seite. Letzterer ist übrigens nicht weniger beeindruckend! Dazwischen genießen wir ein paar herrliche Galoppstrecken, die ein oder andere Flussdurchquerung und natürlich fröhliche Gespräche, lustige Momente und einfach eine gute Zeit. Zum Mittagessen sind wir zurück im
Camp, versorgen unsere Pferde und überreden Jo, dass sie das Mittagessen so verschiebt, dass wir zuschauen können wie unsere Pferde verladen werden. Heute ist nämlich für die Pferde moving day, sie werden schon mal Richtung West Kilimanjaro gebracht, wo wir sie am nächsten Tag wieder treffen werden. Selbstverständlich gibt es eine klare Reihenfolge, wer neben wem auf dem LKW steht. Die Grooms verladen ihre Schützlinge in aller Ruhe und auch wenn es für uns etwas befremdlich wirkt, dass die Pferde quer zur Fahrtrichtung stehen UND den Kopf zum Fenster rausstrecken, so macht es hier natürlich total Sinn. Aufgrund der Straßenverhältnisse kann der LKW nicht schnell fahren und so kommt ausreichend frische Luft an die Pferde, auch wenn die Temperaturen mal höher sein sollten. Nach einer ausgedehnten Siesta machen wir uns am Nachmittag mit den Autos auf zu einem kleinen Game Drive mit Sundowner am See. Und nachdem sie erst noch ein bisschen in den Wolken sind, klart es auf einmal auf und wir dürfen Meru und Kilimandscharo im leichten Abendrot bei einem leckeren G&T genießen. Der Abend ist fröhlich und unbeschwert – Krissi hat Geburtstag und wir singen ihr alle ein deutsch-englisches Massaiständchen und futtern uns danach durch eine leckere Schokoladentorte.

Wir starten den nächsten Tag erst einmal im Auto um zu unseren Pferden zu gelangen. Die Gegend in der wir ab jetzt reiten werden, ist deutlich trockener und staubiger als der Nationalpark, durchzogen von Massaidörfern, genannt Boma. Wir befinden uns jetzt in der Westkili Gegend und das heißt wir sehen nicht nur Kili und Meru, wir sind umgeben von Kilimandscharo, Meru, Longido und Namanga. Die ersten drei stehen in Tansania, Namanga gehört zu Kenia. Und irgendwie fühlt man sich zwischen diesen ruhigen Riesen gut aufgehoben. Wenn die Sonne abends untergeht und der klare Sternenhimmel über dem Kilimandscharo erscheint, dann wird man richtig andächtig und kann sich gar nicht satt sehen. Und für den Morgen etabliert sich schnell ein Ritual – alle, auch die Langschläfer, krabbeln früh aus den Federn und wir treffen uns im Schlafanzug und mit Kaffee auf einem umgefallenen Baumstamm und genießen den Sonnenaufgang, der jeden Tag anders ist und jeden Tag so wunderschön.

Unsere kommenden Tage verbringen wir mit genialen Ritten und treffen täglich auf das, wofür diese Gegend am Westkili bekannt ist – Elefanten mit irre langen Stoßzähnen. Alte Bullen, die mega entspannt sind und uns an ihrem Tun als stille Beobachter teilhaben lassen, eine Mutterkuhherde mit kleinen Babies, die friedlich an uns vorbei zieht, zwar darauf bedacht ihre Sprösslinge in der Mitte zu haben, uns aber nicht als Feinde sehen, denn auch sie ziehen friedlich an uns vorüber und fressen in aller Ruhe den ein oder anderen Baum leer. Neben diesen wirklich unvergesslichen und beeindruckenden Begegnungen mit den grauen Riesen dürfen wir mehrmals mit Giraffen galoppieren, sehen Vogelstrauße und erhaschen sogar einen Blick auf die ebenfalls vom Aussterben bedrohte Giraffengazelle oder auch Gerenuk genannt. Sie sehen ein klein wenig aus wie eine Comicgazelle mit ihren übertrieben langen Hälsen, den viel zu großen, abstehenden Ohren und den ausgeprägten Glubschaugen. Und selbstverständlich umsorgt uns das Team dreimal täglich mit dem köstlichsten Essen was man sich nur vorstellen kann!














Am Tag vor unserer Abreise machen wir noch einen ganz besonderen Ausflug. Mareso, der Campmanager, ist ebenfalls Massai und kennt überall in der Gegend Stammesleute. So organisiert er für uns einen Besuch in einem Boma. Der Aufbau ist immer derselbe und kreisförmig. Aussen herum ist eine hohe Dornenhecke, dann kommen die Hütten – für jede Frau, die das Familienoberhaupt hat, wird eine eigene Hütte gebaut in welcher sie mit ihren Kindern lebt – und dann gibt es noch einen inneren Bereich, ebenfalls mit Dornenhecke abgegrenzt, in welchem die Tiere bei Nacht untergebracht sind und so vor Löwen und anderen Raubtieren geschützt werden. In unserem Fall gab es 8 Hütten – ja genau, ihr denkt richtig – welche ebenfalls alle einen ähnlichen Aufbau haben. Eine davon durften wir besichtigen. Die Hütten werden aus Lehm, Holz und einer Art Reetdach gebaut. Es gibt rechts und links jeweils ein Bett, eine kleine Küche mit Feuer, ein Lager und einen Stall in dem kleine oder kranke Tiere untergebracht werden. Der Mann entscheidet jeden Abend wo er schlafen möchte, die Frauen haben aber das Recht ihn abzuweisen, wenn sie ihn nicht bei sich haben möchten. Für uns westliche Frauen erscheint das alles sehr fremd, aber in einer Welt die so anders und so viel einfacher ist, als die unsere, bietet diese Art von Leben natürlich auch einen gewissen Schutz für die Frauen und ihre Kinder. Und weil es sich natürlich rumgesprochen hat, dass wir kommen, haben sich noch ein paar mehr Frauen eingefunden und für uns einen kleinen Markt aufgebaut mit wundervollem, selbstgemachtem Massai Schmuck. Ketten, Armbänder, kleine Tiere, alles aus den bunten Perlen Tansanias in Handarbeit gefertigt. Mareso übersetzt für uns, jeder kauft das ein oder andere Mitbringsel und wir freuen uns, dass wir auch ein bisschen was zurückgeben können, dafür, dass sie uns einen Einblick in ihr Zuhause gewährt haben.


Nach einem wirklich ereignisreiche Vormittag und vielen neuen Eindrücken in den Satteltaschen, findet am Nachmittag die obgligatorische Reitstunde statt, von der es mindestens eine auf den Reisen mit Ingrid gibt. Während bereits schon die ganze Woche bei jeder Gelegenheit gefachsimpelt wurde – sei es Carmen mit Jos Team über Fütterung, Pflege und Training der Pferde (sowohl Jos Safaripferde als auch Ingrids Pferde sind auf ihre Art Hochleistungssportler) oder Anne und ich mit Tara über das richtige Marketing und die gewissenhafte Auswahl von Bild- und Videomaterial, hat Ingrid uns allen immer wieder mit ihrer endlosen Erfahrung im Sattel hilfreiche Tipps gegeben um die ab und an mal auftretenden Hindernisse in der Wildnis unbeschadet zu meistern und uns den Safety Seat näher zu bringen. Nun stand also an diesem Nachmittag für Jo und Tara eine Springstunde an. Die beiden Mädels waren schon recht was aufgeregt und wurden zu aller erst einmal von Ingrid mit der richtigen Bügellänge und einer ausführlichen Erklärung zum richtigen Geländesitz und der überlebenswichtigen „Holy Shit-Position“ ausgestattet. Währenddessen räumen wir die reichlich herumliegenden Baumstämme frei und bauen eines der Betten im Freien auf, denn Jos großer Wunsch ist es, über eines der Betten aus den Zelten zu springen. Und eins kann ich euch sagen, was sich diese verrückte Schwedin in den Kopf setzt, das zieht sie auch durch. Am Ende dieser phänomenalen Unterrichtseinheit springt Jo mit ihrem Führpferd Ella am Knotenhalfter am Fuße des Kilimandscharo in perfekter Manier über (m)ein gemütliches Safaribett, flankiert vom Groom of the Decade Carmen und der Reitmeisterin und Team Olympiasiegerin Ingrid Klimke. Das können nun wirklich wenige auf ihre Fahne schreiben. Und weil man im Busch pragmatisch ist und nimmt was da ist, ist die Grundlinie für das Bett eine „Vorlegestange“ aus getrockneten Elefantenkötteln…



Danach gibt es noch einen kurzen Ritt für uns alle, denn eine Sache haben wir noch auf unserer Bucket List und die ist nicht ganz legal. Wir wollen noch für eine Pferdelänge nach Kenia reiten. Solltet ihr diesen Ritt mal erleben dürfen, dann fragt Jo und Tara was ihnen schon alles so passiert ist bei ihren unerlaubten Grenzübergängen. Im Grunde ist das Ganze super unspektakulär, denn irgendwann stehen mitten in der Steppe weiße Steine auf denen auf der einen Seite Kenia steht und auf der anderen Seite Tansania. Und ich kann absolut nachvollziehen, dass man es da nicht so genau nimmt, wenn man gerade einem Elefanten folgt, eine Löwenspur trackt oder mit Giraffen galoppiert. Allerdings bleibt das wohl auch hier draußen im Busch nicht unentdeckt 😉.
Wir reiten zu einem Felsen unweit unseres Camps und Jo sagt wir sollen absteigen, die Bügel hochschieben und die Zügel gut verknoten – keiner
von uns ahnt was jetzt kommt – und dann sagt sie „Ok, lasst sie los, aber geht einen Schritt zur Seite.“ Und dann fetzen unsere Ponies wie von der wilden Hummel gebissen los und verschwinden in einer riesigen Staubwolke in Richtung Camp! Wir klettern zu Fuß auf den Felsen und sehen wie einer nach dem anderen bei den Pflegern ankommt und in Empfang genommen wird. Was für ein niedliches Ritual und trotzdem frage ich mich immer, hat man beim ersten mal Muffe, dass die ganze Herde irgendwo im Busch verschwindet? Unseren letzten Sundowner genießen wir dem Felsen und sind nun doch ganz schön emotional, dass auch diese wundervolle Woche schon wieder vorüber ist.
An unserem letzten Abend überrascht uns der Koch noch mit einer Speise mit der wir so gar nicht gerechnet haben und doch liegt die Auswahl so nah. Jo ist Schwedin und auch wenn sie Tansania als ihr zuhause ansieht, so ist doch noch ein bisschen Schwedin in ihr und deshalb gibt es bei schönstem Sternenhimmel, knisterndem Lagerfeuer, mitten im tansanischen Nirgendwo am Fuße des Kilimandscharo die leckersten Köttbullar mit Kartoffeln und Preiselbeeren!
Nachdem wir uns am nächsten Morgen bei jedem einzelnen Teammitglied bedankt haben, fahren wir zurück nach Arusha um am frühen Nachmittag in unsere Flieger nachhause zu steigen. Dieser Ritt war komplett anders als der Serengeti Ritt im Vorjahr und trotzdem kann ich nicht sagen, welcher mir besser gefallen hat. Beide sind auf ihre Art einzigartig, atemberaubend und ein richtiges Abenteuer. Was gleich bleibt, ist das wundervolle Team um Jo. Egal ob Zwei- oder Vierbeiner, hier gibt jeder mit voller Leidenschaft sein bestes und man merkt allen an, dass sie ihren Job gerne machen und vor allem auch gerne für und mit Jo zusammen arbeiten.

Hier könnt ihr diese tolle Reise und auch die anderen Abenteuer im Sattel in Tansania buchen
Kilimanjaro Elefanten Ritt
Serengeti Migrations Ritt
Mount Meru Ride

