Portugal – ein Traumritt am Atlantik

Seit ich im Herbst 2018 über mein Praxissemester als Praktikantin zum Pferdesafari-Team gestoßen bin, führe ich eine Liste aller Ritte, die ich gerne einmal testen würde. Spoiler-Altert: Auf dieser Liste finden sich fast alle Reiseziele wieder! Zwei Jahre lang, bis zum Ende meines Studiums, durfte ich pferdesafari dann als Werksstudentin unterstützen und in dieser Zeit hat es sich nie ergeben, dass ich den Traum in die Realität umsetzen würde. Als ich dann Anfang 2022 spontan eine Woche Urlaub bekommen habe war mir klar, dass ich die Chance nun nutzen muss! Kurzfristig habe ich also meine lieben pferdesafari-Girls angerufen und gesagt: „Die letzte Woche im Februar habe ich Zeit. Habt ihr eine tolle Reise für mich?“ – und ich wurde natürlich nicht enttäuscht. Bei Kristin und Pedro bei Lusitano Trail Rides in Portugal soll in dieser Woche der erste Trail der Saison stattfinden. Der Atlantik Trail, welcher verspricht auf tollen Pferden und in einer kleinen Gruppe von der Quinta in Santarém bis zum Atlantik zu reiten. Ich habe Glück: es ist noch genau ein Platz frei und diesen buche ich natürlich ohne lange zu zögern. Ich freue mich unglaublich über die Aussicht dem grauen deutschen Februar zu entfliehen und für eine Woche den portugiesischen Frühling zu genießen. Der Wetterbericht verspricht mir etwa 20°C und Sonne! Zum Glück muss ich nach der spontanen Buchung nur wenige Wochen warten bis es endlich losgeht…


Tag 1
Mein Tag beginnt heute sehr früh – der Flug nach Portugal soll um 6 Uhr in Frankfurt abheben! Normalerweise würde ich mich im Bett drei mal drehen und einen Mittelfinger an meinen Wecker aussenden, wenn er mich mitten in der Nacht weckt. Aber ihr kennt das Phänomen sicher: Es geht in den heiß ersehnten Urlaub und deshalb bin ich sofort hellwach!
In Deutschland war es die letzten Wochen ausschließlich grau, kalt und nass. Heute Nacht stürmt und regnet es in unserer Region so stark, dass ich schon befürchte mein Flug würde gestrichen! Mein ganzes Wesen sehnt sich nach warmen Sonnenstrahlen, einem blauen Himmel und Meeresrauschen. Deshalb: ab nach Portugal!
Mein Flug hat eine Stunde Verspätung, aber ich bin ja im Urlaub und habe alle Zeit der Welt. Heute bringt mich nichts aus der Ruhe. Das Handy bleibt diese Woche im Flugmodus. Ich bin nicht erreichbar – es gibt nur mich, die Sonne und die Pferde!

In Lissabon werde ich von Ilana abgeholt und auf der dreiviertelstündigen Fahrt zur Quinta dos Pinheiros erfahre ich schon eine Menge über die Pferde, den Trail und die anderen Gäste. Emma, eine deutsche Studentin, wird den Trail führen. Sie arbeitet schon mehrere Jahre als Guide bei Lusitano Trails. Die anderen Gäste sind eine Gruppe von vier Amerikanerinnen, die ich später am Tag kennen lernen werde. Außerdem wird uns Ellie begleiten, ein working student aus England, die nun die Strecke der großen Trailritte lernen soll.

Schon seit dem Landeanflug bin ich überrascht vom vielen Grün hier in Portugal – aber klar: Wo bei uns in Deutschland noch kalter Winter ist, ist hier der Frühling schon eingezogen. Das tut meiner Seele gerade unfassbar gut! Auf der Farm zeigt Ilana mir mein Zimmer und den Rest der Farm. Es herrscht eine unglaubliche Ruhe: die Pferde stehen auf ihren Paddocks und den Weiden draußen, auf dem Reitplatz wird konzentriert gearbeitet. Bis zum Mittagessen dauert es noch eine Weile, deshalb genieße ich die Sonne mit einem Kaffee und meinem Buch.

Das Mittagessen wird serviert, nachdem meine vier Mitreiterinnen angekommen sind und sich etwas frisch gemacht haben. Es gibt eine leckere Suppe mit frischem Brot, danach Nudeln und jede Menge Gemüse aus dem Garten: ich bin im Himmel! Besonders schön finde ich, dass sich zum Essen auf der Farm alle an einer Tafel treffen: Die Gäste, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowohl aus dem Stall, aus dem Sattel und dem Büro. Alle essen gemeinsam und tauschen sich auf verschiedenen Sprachen aus: es wird englisch gesprochen, portugiesisch oder deutsch. Ich fühle mich pudelwohl in dieser Atmosphäre, weil ich es immer wieder schön finde, wie unsere lieben Vierbeiner es schaffen, tolle Menschen aus der ganzen Welt zusammen zu bringen!
Zwei der Amerikanerinnen haben nach dem Essen eine Reitstunde gebucht. Ich nutze die Gelegenheit zum Zuschauen und freue mich schon, dass ich an meinem letzten Tag auch noch eine Reitstunde mitmachen darf! Zum ersten Ausritt brechen wir um 16 Uhr auf. Emma drückt mir die Zügel eines riesigen (ich habe zuhause einen Isländer, also verhältnismäßig riesig 😉), wunderschönen Fuchses in die Hand. Galante wird mein Reitkumpel für diese Woche sein. Er ist 11 Jahre alt und hat wunderbar große Bewegungen! Ich bin das gar nicht mehr gewohnt, aber freue mich schon auf die kommende Woche und bin sicher, ich kann mich schnell daran gewöhnen.
Der erste Ausritt findet im Umland der Farm statt. Wir reiten durch duftende Wälder und genießen tolle Aussichten in der Abendsonne. Galante freut sich so sehr auf den ersten großen Trail der Saison, dass er im Galopp einige Bocksprünge vollführt. Ich bin von der Leichtigkeit, Rittigkeit und vom unglaublich guten Ausbildungsstand der Pferde begeistert und erfreue mich an Galantes Schaukelpferdgalopp. Die gesamte Reitgruppe passt wunderbar zusammen! Anfangs hatte ich ein bisschen Sorge, als einzige allein Reisende mit einer eingeschworenen Gruppe zu reiten. Die Sorgen waren aber total unbegründet! Die Mädels sind alle so nett, dass ich mich fühle als würde ich schon seit Jahren zur Gruppe gehören und die Stimmung ist entspannt und lustig! Ich freue mich auf die kommenden Tage im Sattel. Alle Mädels in der Gruppe haben Erfahrung damit, Trails zu führen – Ellie und Emma wurden gewarnt: entweder wir werden die besten oder die schlimmsten Gäste sein…
Zurück auf der Farm werden wir mit einer Flasche Champagner beim Sonnenuntergang begrüßt. Wir stoßen noch auf dem Pferd auf Katie’s Geburtstag und eine tolle kommende Woche an. Ich glaube ich werde nie wieder Champagner nicht im Sattel wunderschönen Lusitanowallachs trinken können….

Tag 2
Am Morgen werde ich von meinem Zimmernachbar Lacaio geweckt, der lautstark nach seinem Frühstück verlangt. Aber es ist der schönste Wecker der Welt – das wiehern eines wunderschönen Lusitanohengsts! Das finde ich so schön auf der Farm. Die Wege sind kurz und als Gast ist man somit zu jeder Zeit mitten im Geschehen! Zum Frühstück treffen wir uns wieder im Speisesaal. Wir stärken uns mit frisch gepresstem Orangensaft, Kaffee und Brötchen bevor wir um 10 Uhr aufbrechen auf den ersten Tagesritt des Trails. Am Vormittag müssen wir unseren Weg über Autobahnen und durch Dörfer suchen, bevor wir in die ländliche Gegend finden und durch wunderschöne Korkeichenwälder reiten. Die Pferde freuen sich über den Ausritt und wir freuen uns über den ausgreifenden Galopp der portugiesischen Pferde!
Zum Mittagessen erwartet uns ein „Picknick“, was bedeutet eine voll gedeckte Tafel im Schatten einer alten Eiche. Bevor wir uns mit Quiche, Hähnchen, Gemüse und Salat stärken versorgen wir die Pferde, die sich ihre Pause wirklich verdient haben!
Der Weg am Nachmittag führt uns auf sandigen Wegen durch Eykalyptuswälder und wir genießen die Sonne, den Duft der Wälder und die langen Galoppstrecken. Leider haben wir keine Koalas gesehen, deshalb können wir dem Ritt leider nur 1/5 Sternen geben 😛. Wir reiten, bis wir die untergehende Sonne durch die Olivenbäume scheinen sehen und kommen dann an unserer Unterkunft für die Nacht an. Wir übernachten heute in einer kleinen Ferienanlage mit traditionell eingerichteten Gästehäusern. Die Pferde werden versorgt, bevor wir im Gemeinschaftssaal mit einem Drink und Snacks empfangen werden. Die Jungs sind happy über ihren verdienten Feierabend, wälzen sich ausgiebig und schütteln alle Anspannung ab. Zum Abendessen gibt es den traditionellen getrockneten Dorsch mit Kartoffeln und für die Vegetarier Pasta mit Tomatensoße. Zum Nachtisch gibt es Eis und Zitronenkuchen. Ich merke schnell: in Portugal bleibt keiner hungrig! Nach ein paar Gläsern Wein vor dem Kaminfeuer fallen wir alle müde ins Bett. Sogar für eine heiße Dusche bin ich heute zu müde – das wird morgen früh nachgeholt.

Tag 3
Gut ausgeruht treffen wir uns um 9 Uhr zum Frühstück im Gemeinschaftsraum und stärken und mit Kaffee, Kuchen, portugiesischen Croissants, Brötchen und frisch gepresstem Orangensaft für den heutigen Ritt. Wir reiten wieder durch duftende Eykalyptuswälder, deren sandige Wege perfekt zum Galoppieren geeignet sind. Außerdem führt der Weg uns durch malerische Dörfer, durch einen Steinbruch und auf Hügel, von denen wir eine tolle Aussicht über das Land haben. Wir müssen immer mal wieder anhalten für ein Fotoshooting, da die Landschaft wirklich atemberaubend ist! Der zweite Tag ist der härteste Muskelkatertag – sagt man in Sportlerkreisen. Mein Hintern und meine Schenkel bestätigen das heute. Zum Glück sitzen wir in ultrabequemen Sätteln, die mit Schaffell bespannt sind und uns die Stunden auf dem Pferd so angenehm wie möglich machen. Da hilft es natürlich auch, dass die Gänge der portugiesischen Pferde sich mit einem Schaukelpferd vergleichen lassen! Außerdem versichert uns Emma, dass der heutige Ritt nicht ganz so lange sein wird. Natürlich möchten wir gerne so viel reiten wie möglich, allerdings sind wir heute dann doch nicht mehr so böse darum, dass jeder zweite Tag des Trails ein bisschen kürzer ist. Da hat Kristin sich wirklich etwas bei gedacht!

Zum Mittagessen halten wir bei einem Restaurant und versorgen die Pferde auf einer Weide nebenan. Alle freuen sich sehr auf die Mittagspause und besonders Galante ist ungeduldig die Trense gegen das Knotenhalfter zu tauschen und eine große Portion Kraftfutter serviert zu bekommen. Nachdem die Pferde versorgt sind, werden wir im Restaurant mit einem Tisch voller traditionell portugiesischer Leckereien begrüßt. Wir ordern weißen Wein zum Essen und probieren uns nach der Vorspeise noch durch die Hauptgänge und Nachspeisen. Besonders gut schmecken uns die luftigen Brötchen, die zu jeder Vorspeise mit Käse und Oliven gereicht werden. Wie sollen wir denn noch reiten, wenn wir zu jeder Mahlzeit drei Gänge essen?! Ich bin im Himmel!

Zum Glück geht es erst einmal langsam weiter nach dem Essen – vielleicht ist aber auch der gute Wein schuld an unserem kleinen Mittagstief. Im Schritt reiten wir durch das Dorf und kommen auch an einem Neubaugebiet vorbei. Wir sehen Kinder auf einem Pausenhof spielen und ich bin zuerst ein bisschen beleidigt, dass keiner uns sieht und zuwinkt. Was ist nur los mit den Kindern heutzutage?! Doch dann entdecken die Kids unsere Gruppe, alle freuen sich über die Pferde und der Glaube an die nächste Generation ist wieder hergestellt! Ich weiß genau wie das ist, ein kleines Mädchen zu sein und allen Pferden bewundernd nachzusehen. Es ist so unglaublich schön, diesen Traum nun wahr gemacht zu haben! Ich sitze wirklich in Portugal auf einem top Pferd und reite mit einer super netter Truppe Mädels durch Pinien- und Eykalyptuswälder? Unreal!

Emma schafft es nach dem Mittagessen mit den Wärtern „galoppi galoppi?“ immer uns wieder aufzuwecken! Davon kann keiner von uns genug bekommen. Pünktlich zum Sonnenuntergang kommen wir an der Quinta Vale de Formoso an, dem Zuhause von Vicky und Nick, unseren Gastgebern für die Nacht. Wir sind ganz verzaubert von der Quinta und können es kaum glauben, dass wir heute in diesem Schloss schlafen werden. Nick begrüßt uns ganz herzlich und hilft uns, die Pferde für die Nacht in die Quartiere zu bringen. Anschließend gibt es Sangria und Snacks im Kaminzimmer. Wir fühlen uns jetzt schon wie Prinzessinnen und verbringen einen schönen Abend am Kamin, trinken Wein und tauschen Geschichten aus. Schon lange habe ich nicht mehr so viel gelacht. Wir schlafen in wunderschönen Zimmern und dürfen uns für den Tag wirklich wie Prinzessinnen fühlen. Wer braucht schon einen Prinzen, wir haben die Pferde und das Schloss!

Tag 4
Das Frühstück wird uns im Gartenzimmer serviert, die Überdachte Terrasse mit Ausblick auf das Tal und die ausladenden Koppeln der Quinta. Die zahlreichen Hunde von Vicky und Nick (Stand Februar 2022: 18 Hunde verschiedener Rassen!) sind auch schon im Garten unterwegs und begrüßen uns lautstark. Der Ausblick ist wirklich wunderschön und lässt uns fast vergessen, dass es doch noch ein wenig kalt ist um draußen zu frühstücken…
Wir brechen wieder gegen 10 Uhr auf und kommen kurz danach schon zu unserem ersten kleinen Buschgalopp des Tages. Wir haben aus Versehen eine falsche Abzweigung genommen und machen schon Witze, dass es kein richtiger Trail-Tag ist, ohne dass wir uns verreiten ;-). Das ist natürlich ein Witz – wir alle kennen die Situation, dass die Wege in keiner Saison gleich aussehen. Deshalb machen wir uns auch gar keine Sorgen. Emma und Ellie haben die Situation jederzeit gut im Griff und wir fühlen uns wirklich immer gut und sicher durch Portugal geführt! Wenn jedoch jemand gerne Hänsel und Gretel im Real Life spielen würde…. Das wäre jetzt deine Chance Emma.
Wir reiten heute viel Berg und Tal, durch malerische Dörfer und Weinberge. Teilweise müssen wir an Straßen vorbei, doch die Pferde stören sich nicht an den Autos und LKW‘s, die teilweise wirklich eng an den Pferden vorbeifahren. Überall finden wir reife Orangen- und Zitronenbäume und diese werden ein wenig zu meinem Sinnbild dieses Urlaubs. Am liebsten würde ich diese direkt im Vorbeireiten pflücken und essen! Kurz vor der Mittagspause steigen wir kurz ab und führen einen steilen Berg hinunter. Doch auch im Boden aus sind unsere Pferde totale Gentlemen und bleiben jederzeit aufmerksam bei uns. Wir steigen wieder auf uns lassen uns einen weiteren steilen Berg hochtragen. Immer wieder bin ich erstaunt über die Ausdauer der Lusitanos! Trotz, dass wir den ganzen Tag unterwegs sind und durchaus auch viel Galoppieren, müssen die Pferde kaum schwer atmen, nachdem es den Berg hoch geht. Galante riecht wohl schon das Picknick, denn er wird etwas nervös auf der letzten Etappe. Er gibt mir eine kleine Dressurstunde: er vollführt einen unglaublich versammelten Galopp auf der Stelle und egal was ich mache, er möchte nicht mehr aufhören. Von zuhause bin ich eher einen typischen „Renner“ gewohnt und finde die Reaktion deshalb für den Moment eher lustig, denn ich habe nicht das Gefühl keine Kontrolle zu haben. Wir lassen die Pferde dann den Berg im schnellen Galopp erklimmen und das beruhigt den Fuchs wieder. Galante ist zwar keine Stute, aber ansonsten stimmt schon was man sich über die Füchse erzählt. Ich bin aber ein großer Fan dieser Charakterstärke und fühle mich deshalb pudelwohl!
Oben auf dem Berg wartet schon Monika mit der gedeckten Picknicktafel auf uns – und jeweils einer großen Portion Kraftfutter auf die Pferde. Zum Essen gibt es wieder Fisch, Fleisch und jede Menge Gemüse für mich Vegi – und natürlich guten portugiesischen Weißwein. Wir sitzen so lange zusammen, dass mein Pferd vor lauter Langeweile dem lauten Ruf des Grases einige Meter neben seinem Anbindeplatz folgt. Ellie merkt es aber schnell und fängt ihn wieder ein. Puh – ich dachte schon ich muss jetzt laufen…
Wir reiten nach der Mittagspause weitere drei Stunden und folgen dann der Route zur mittelalterlichen Stadt Obidós. Der Wein sorgt für einen lustigen Nachmittag und ich komme endlich dazu, in eine der saftigen Zitronen zu beißen. Fragt nicht wie es hierzu kam, aber ich kann nun mit Begeisterung sagen, dass das quasi feste Zitronenlimonade war. Nicht so wie die sauren, bitteren Zitronen die ich aus Deutschland kenne. Meinen Ruf als „the Crazy German Lemon girl“ habe ich jedoch fest. Von weitem sehen wir schon die imposanten Stadtmauern der Stadt auf dem Berg. Wir reiten fast einmal um Obidós herum, bis wir an unserer Unterkunft ankommen. Bei Francesco auf der Quinta de Torre. Die Zimmer sind traditionell portugiesisch eingerichtet und das ganze Anwesen mit den Palmen, Orangenbäumen und zahlreichen Tieren ist total einladend für uns Pferdemädchen.
Die Amerikanerinnen betonen immer wieder, wie überrascht sie von der Qualität der Unterkünfte und des Essens sind! Ich wusste ja schon, dass ich bei einer pferdesafari-reise nur das Beste erwarten kann. Die anderen haben ihre Reise jedoch nur nach dem Kriterium „Hauptsache die Pferde werden gut behandelt – wir schlafen notfalls auch im Heu“ gebucht und sind dementsprechend jeden Tag aufs Neue wieder total begeistert von der Gemütlichkeit und Gastfreundlichkeit, die uns entgegengebracht wird.

Wir haben noch Zeit für eine Dusche und uns fertig zu machen, bis wir mit dem Taxi abgeholt werden und in die Stadt fahren. Uns bleibt noch ein wenig Zeit zum Souvenirs shoppen und Stadt erkunden, bevor wir in einem traditionellen Tapasrestaurant zum Abendessen einkehren. Das Essen wurde für uns schon bestellt und ich finde es super, dass wir uns nicht für eine Sache entscheiden müssen. Wir bekommen einen Querschnitt der Speisekarte serviert und erfreuen uns wieder einmal daran, dass keiner hungrig (oder durstig…) ins Bett gehen muss.

Tag 5
Heute ist unser letzter Reittag und wir versammeln uns mit gemischten Gefühlen am Frühstückstisch. Wir sind alle traurig, dass unser Abenteuer bald endet. Aber schließlich wird heute auch das Highlight unserer Reise stattfinden: wir reiten von Obidós an der größten Lagune der Welt entlang bis zum Atlantik! Der Kaffee, die Croissants und frischen Brötchen zum Frühstück sind wieder einmal die perfekte Stärkung. Und auch der frisch gepresste Organgensaft fehlt nicht – das ist mein Lieblings-Frühstücks-Part! Unser Tag heute startet ein wenig später als sonst, da für den letzten Part des Trails noch zwei Mitreiterinnen zu uns stoßen, die in den Morgenstunden erst gebracht werden. Samt Pferden im Hänger natürlich. Die Reise ist wirklich gut für Langschläfer geeignet, denn die Portugiesen starten ihren Tag auch nicht gerne früh. Mich als Frühaufsteher hingegen würde es am liebsten schon um sieben Uhr in der Früh zu den Pferden und in den Sattel ziehen! Wir reiten nun also los und haben nur noch wenige Kilometer auf einem Waldweg vor uns, bevor wir die Lagune erreichen und die ersten kleinen Fischerboote auf dem Wasser schaukeln sehen. Die heutige Route ist wirklich eine der schönsten der letzten Tage: es gibt so viel zu sehen! Wir reiten auf Sandwegen direkt am Wasser entlang und können auf einigen Infoschildern interessante Fakten zur Lagune lesen. Ich als alte Ornithologin (nicht wirklich; mein Ornithologie-Prof würde sich für den Satz einmal im Hörsaal umdrehen…) bin besonders fasziniert von den unterschiedlichen Vogelarten, die hier leben sollen: Quaken, Perlen, Stockenten, Taucher, Fischadler, Teichhühner, Austernfischer, Silbermöwe, Eisvogel, Flamingo, Turmfalke, Seeschwalbe, Bachstelze, …. äääh warte was? Flamingos?? Sollten die nicht eigentlich in Südamerika und Afrika zuhause sein oder im Zoo wohnen? Und als nächstes erzählen dir mir, dass wir auch noch Pinguine sehen?! Der Gedanke kommt mir, weil ich schon eine ganze Weile davon träume, Flamingos „in echt“ zu sehen und deshalb eine Reise nach Tansania gaaaaaanz oben auf der Wunsch(traum)liste steht. Aber nein, die Flamingos scheinen kein Witz zu sein! So richtig glauben kann ich das aber erst, als wir tatsächlich eine kleine Kolonie sehen. Die Flamingos hier sind allerdings nicht pink und auch etwas kleiner als ich sie aus dem Zoo kenne. Trotzdem freue ich mich heute auf dem ganzen Ritt jedes Mal, wenn uns auf dem Ritt heute einer begegnet. Entlang der Strecke müssen wir immer mal wieder über wackelige Holzbrücken balancieren oder uns durchs Gebüsch ducken, denn wir versuchen zum größten Teil die Fußgängerwege zu meiden und abseits der viel besuchten Wanderstrecke zu reiten. Kurz vor unserer Mittagspause genießen wir noch eine kilometerlange Galoppstrecke entlang des Wassers – für mich eine der schönsten Überhaupt! Es ist einfach ein besonderes Gefühl inmitten einer großartigen Gruppe Menschen, auf tollen Pferden durch die Landschaft zu düsen und das merkt man uns an. Wir kommen aus dem Grinsen und Lachen gar nicht mehr raus! Die Pferde haben sich jedenfalls ihre Pause nun mehr als verdient und ruhen sich dankbar im Schatten aus. Und auch wir freuen uns auf das Mittagessen, guten Wein und eine kurze Pause auf der Terrasse des Restaurants. Es gibt verschiedene Salate mit Meeresfrüchten, gebratenen Fisch und Gemüse. Zum Nachtisch gibt es eine Auswahl verschiedener Süßspeisen, die uns Landestypisch auf einem Tablett einmal präsentiert werden. Da wir uns nicht entscheiden können nehmen wir einfach alle und tauschen untereinander, sodass jeder einmal alles probieren kann. Ich kann mich gar nicht entscheiden, welches mein Favorit ist! Nach dem Kaffee machen wir gestärkt die Pferde bereit und reiten los auf die letzte Etappe: bis zum atlantischen Ozean! Schon aus der Ferne können wir den Strand sehen und die Meterhohen wellen. Bis zu 8 Meter hoch sollen sie an dem Tag gewesen sein, erfahren wir später! Da wir im Februar noch außerhalb der Tourismussaison sind, haben wir den Strand fast für uns, bis auf den einen oder anderen Spaziergänger. Auf einem Abschnitt, in welchem der Sand fest und flach ist, packen wir nochmals unsere Formationskünste aus, die wir diese Woche einstudiert haben. Wie immer reite ich neben Emma, sodass die Füchse nebeneinander gehen können. Ich habe schon gelernt, mit Galante ein bisschen Abstand zu Emmas Delfim zu halten – die beiden kabbeln sich sonst nur die ganze Zeit. Aber nach einer kurzen Diskussion läuft wieder alles gut und wir schaffen es, alle Pferde im gleichen Takt nebeneinander Galoppieren zu lassen. Für mich ist es einfach unglaublich, dass die Pferde nach einer so anstrengenden Woche auch auf der letzten Etappe noch so frisch sind wie am ersten Tag. Da macht das Reiten gleich noch viel mehr Spaß! Wir müssen uns ein bisschen beeilen, dass wir ganz bis zum Meer reiten können und genug Zeit bleibt, um Fotos am Wasser zu machen, denn um dort hinzugelangen müssen wir noch durch eine Feriensiedlung reiten. Jeder kauft in Gedanken mindestens drei Häuser, aber es hat ja jeder auch schon mindestens drei Pferde gekauft. Nur im Lotto gewinnen müssten wir! Naja, jedenfalls tauchen sie dann schon bald vor uns auf, die meterhohen Wellen des Atlantiks. Der Sand ist hier wesentlich tiefer und die Pferde müssen sich mächtig anstrengen, um die Dünen hinunter und zum Meer zu kommen. Wir genießen die Aussicht und den Wind beim letzten Galopp des Rittes. Was für ein Traum das war!

Nachdem genug Fotos geschossen wurden, reiten wir im Schritt zurück zum Parkplatz, wo die Pferde verladen werden und wir uns müde und glücklich auf die Beifahrersitze fallen lassen, um zurück zur Quinta dos Pinheiros zu fahren. Die Pferde werden vom Team ausgeladen und versorgt, während wir es uns schonmal im Speisesaal aka Reiterstübchen bequem machen, Fotos austauschen und gemeinsam mit den anderen Gästen der Quinta in unseren Erinnerungen der Woche schwelgen. Das Essen ist wieder landestypisch und sehr lecker und auch der Sangria, der von Perry immer wieder aufgefüllt wird, macht den Abend zu einem lustigen und würdigen Abschluss. Bis spät in der Nacht sitzen wir zusammen und lachen wie mit alten Freunden. Ich liebe diese Atmosphäre, wenn jeder an einem Tisch zusammenkommt: Team, Gäste – nur die Pferde fehlen am Tisch.

Tag 6
Abreisetag. Ich war zwar nur eine Woche hier, aber habe mich selten an einem Ort so schnell wohlgefühlt. Wir kommen alle zum Frühstück zusammen und es wird der Plan für die Abreise besprochen. Wann die Flüge gehen, wann wir zum Flughafen fahren und wer vorher noch eine Reitstunde nehmen möchte. Ich darf heute auch nochmal aufs Pferd steigen und bin schon ganz aufgeregt. Meine letzte richtige Reitstunde ist ein paar Jährchen her und auch dressurmäßig habe ich seit Jahren kein richtiges Training gemacht. Zuhause bin ich mit meinem verrückten Wikinger (wie Katha meinen kleinen großen Isi so liebevoll getauft hat) ja meistens nur im Gelände unterwegs. Galante bekommt heute seinen verdienten freien Tag, deshalb darf ich heute eine Stute reiten, die noch gar nicht so lange Teil des Lusitano Trail Teams ist. Es dauert eine Weile, bis ich mich an sie gewöhnt habe und an die Reitweise im Viereck. Zügel noch kürzer? Wirklich kürzer? Noch kürzer? JA! Perry muss mich alle zwei Minuten daran erinnern, mehr zu versammeln. Aber irgendwann habe ich doch den Bogen raus und reite die fliegenden Galoppwechsel in Serie. Ich hab‘s niemandem gesagt, aber das war mein heimliches Ziel der Reitstunde! Das fühlt sich an wie tanzen mit dem Pferd und ich bin im siebten Himmel! Die Reitstunde war eine der toughsten Stunden, die ich je hatte und die meiste Zeit habe ich mich gefühlt, als hätte ich noch nie auf einem Pferd gesessen – aber das Ergebnis und Gefühl am Ende war es wirklich absolut wert.

Kurz vor dem Mittagessen gibt uns Perry noch eine kurze Vorführung auf dem Working Equitation Parcours und rundet die Woche somit perfekt ab. Wir verabschieden uns von allen und werden zum Flughafen gebracht. Das war wirklich genau das Abenteuer, das ich gebraucht habe und ich kann euch wirklich nur ans Herz legen, das kleine Paradies von Kristin und Pedro selbst zu besuchen und euch von Emma, Ellie oder dem Rest des Teams einmal quer durch Portugal entführen zu lassen! Ich war bestimmt nicht zum letzten Mal da und wer weiß, vielleicht tanze ich ja irgendwann auch mal in Golega in der Pferde-Disko. Ein neuer Punkt auf meiner langen Reise To-Do Liste….

Hier findest du den Ritt auf unserer Website: Atlantic Trail.

Avatar-Foto
Alexa Kern

Alexa ist für jedes Abenteuer zu haben! Seit 2022 sitzt sie für pferdesafari im Sattel und ihre Reise-Bucketlist erweitert sich stetig. Sie hat bereits eine Zeitlang als Guide auf einem Reiterhof in Schweden gearbeitet und wohnt nun Teilzeit in Irland – an einem Ort hält es sie jedoch nie lange. Ihr liebstes pferdesafari-Erlebnis bisher ist ein schneller Galopp in den Bergen von Montenegro und der coolste Stempel in Ihrem Reisepass ist eSwatini.

Artikel: 4

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent mit Real Cookie Banner