Diese Reise wird eine Premiere! Zum ersten Mal in unserer über 10-jährigen Zusammenarbeit mit Ingrid Klimke reisen wir nicht auf den afrikanischen Kontinent und ins Warme. Wir machen genau das Gegenteil – wir werden eine Woche lang auf Islandpferden durch das karge Hochland Islands reiten. Dieser Ritt ist vermutlich ein Kindheitstraum von jedem Pferdemädchen.
Der Trip beginnt standesgemäß chaotisch: Rebecca bringt mich zum Flughafen, und wir kommen gerade noch pünktlich durch, weil kurz vor uns ein Unfall passiert ist und der Verkehr sich genau in dem Moment wieder löst, als wir dran sind. Glück gehabt, würde ich sagen – auch wenn „Glück“ bei einem Unfall ein komisches Wort ist. Der Flug nach Frankfurt läuft entspannt, das Umsteigen ist unkompliziert. Am Flughafen treffe ich bereits Ingrid und Philippa, die, wie ich auch, schon zwei Tage eher anreisen, um noch ein wenig Sightseeing in Reykjavík zu machen.
In Reykjavík angekommen, stelle ich erst mal fest, dass ich meinen Schlafsack im Flieger vergessen habe – den wird mir später Anne mitbringen, da ihr Koffer nicht mitkommt, hat sie eine Hand frei für meinen Schlafsack #ironieoff.
Mein Hotelzimmer im „Old Town Hotel“ ist winzig, aber sauber und mitten im Zentrum, genau richtig für zwei Nächte. Ich schlendere noch etwas durch die Stadt, überlege mir, was ich am nächsten Tag unternehmen möchte, gehe noch typisch isländisch essen und falle um 23 Uhr todmüde ins Bett. Ich habe mich letztendlich für die Golden-Circle-Tour entschieden. Auch wenn es die absolute Touritour ist, wollte ich es trotzdem gerne sehen, um auch unseren Kunden sagen zu können, ob sich das lohnt oder nicht. Kurz vorab – wenn ihr genug Zeit habt, dann macht es, vor allem der Geysir und der Gullfoss sind cool, aber es sind natürlich unglaublich viele Menschen dort.
Unser erster Stopp ist der Geysir – der sprudelt tatsächlich alle paar Minuten zuverlässig eine Fontäne aus dem Boden, während sein großer Bruder seit Jahren streikt. Warum das so ist, ist nicht ganz klar – entweder haben sich die Erdplatten verschoben, sodass der Durchgang verschlossen wurde, oder aber, so erzählt uns das unser Guide, hat Seife den Durchgang verstopft. In früherer Zeit wurde das wohl gemacht, um den Geysir öfter zum Sprudeln zu bekommen. Auf was für Ideen die Menschen immer kommen, da kann ich wirklich nur den Kopf schütteln. Danach geht es weiter zum Gullfoss – und ich bin komplett geplättet von der Wassermasse, die da runterdonnert. Wirklich beeindruckend, wenn auch mit entsprechend viel Publikum. Aber das ist es den Anblick allemal wert. Der Þingvellir Nationalpark ist beeindruckend, weil man zwischen den zwei Kontinentalplatten hindurchgehen kann, macht meiner Meinung nach aber mehr Sinn, wenn man ein paar Tage Zeit hat; für einen kurzen Zwischenstopp ist er fast zu groß, um ihn wirklich zu erfassen.



Zurück in der Stadt gibt‘s noch einen Burger in einer Markthalle, und weil es abends immer noch taghell ist, gehe ich um 23 Uhr tatsächlich joggen, immer am Meer entlang. Absurd schön. Ich glaube, hier würde ich im Sommer keine Nacht ins Bett kommen.
Heute erfülle ich mir einen großen Traum! Um 11:30 Uhr geht‘s an den Hafen zum Whale Watching. Ich hab lange recherchiert, mit welchem Unternehmen ich das machen will, weil es auch da „schwarze Schafe“ gibt, die die Tiere bedrängen und ihnen keinen Raum lassen. Ich habe mich für die Fahrt mit einem dieser Gummiboote entschieden, auf denen man quasi steht, mit einem Stehhocker unter dem Hintern. Wir bekommen Overalls und Schwimmwesten verpasst und tuckern erst zu einer Insel mit Papageientauchern, bevor es richtig losgeht. Als Erstes sehen wir einen Zwergwal, schon hübsch anzusehen, dann ein paar Delfine und einen Schweinswal – aber der eigentliche Höhepunkt sind zwei Buckelwale, eine Kuh mit ihrem Kalb. Die beiden legen eine regelrechte Vorstellung hin, springen raus, lassen sich krachend zurück ins Wasser plumpsen, und zum Schluss schwimmt das Kleine direkt unter unserem Boot durch. Ein bisschen aufregend ist das schon. Er könnte ohne Mühe einfach das Boot umwerfen. Tut er zum Glück nicht, und es ist einfach nur der Wahnsinn.

Zum Mittagessen treffe ich mich mit Ingrid und Philippa in einem StreetFood-Restaurant an der Hauptstraße, gleich neben dem Hardrock Café: Lamm- und Fischsuppe im Brotlaib, dazu Tomatensuppe, und man darf sich so oft nachfüllen, wie man will, plus kostenlose Waffeln obendrauf. Also Island ist zwar teuer, aber das finde ich trotzdem mega cool! Danach treffen wir den Rest der Gruppe. Annes und Petras Gepäck ist leider noch nicht angekommen – immerhin haben sie ihre Schlafsäcke und auch meinen dabei.
Tor, er und seine Frau Birta sind die Inhaber von Tindhestar und werden unseren Ritt als Guides begleiten, holt uns ab, und es geht gut zwei Stunden nach Heimaland. Wir übernachten dort in einem Gemeindehaus – Theaterbühne, Turnhalle, Bücherei, Küche, alles unter einem Dach. Und dann geht sie los, unsere Reittour. Wir bekommen eine Einführung in die Pflege, das Satteln und Trensen und wie die nächsten Tage ablaufen werden, und dann startet auch schon unsere erste Etappe: ein Teil der Gruppe reitet vorne, einer hinten, dazwischen die freilaufende Herde. Schnell wird klar, dass das kein langsamer Ritt wird. Um die freien Pferde in der Spur zu halten, wird die meiste Zeit getöltet, und die hinteren Reiter sind dafür zuständig, abtrünnige Pferde wieder zurückzutreiben. Die nächsten Tage werden zeigen, dass wir ein paar Mädels dabei haben, die das Zeug zum Cowgirl hätten.









Wir machen etwa stündlich Pause und wechseln jedes Mal das Pferd. Die Pferde machen richtig Spaß, auch wenn es gar nicht so einfach ist, den Tölt „anzuschalten“. Insgesamt reite ich an diesem Tag vier verschiedene Pferde. Mittags treffen wir immer wieder das Begleitauto, die Pferde kommen dann kurz ins Paddock, und wir futtern die Brote, die wir uns morgens geschmiert haben. Das Sattelzeug ist bei allen Pferden gleich: ein Sattel ohne Decke, dazu Trense und Reithalfter. Das ist kurz etwas befremdlich, weil wir das von unseren Pferden zu Hause natürlich anders kennen, aber keins der Pferde hat damit ein Problem, und auch keines der Pferde scheint hier jemals einen Satteldruck gehabt zu haben, alle Rücken sehen tadellos aus.
Kurz vor 19 Uhr erreichen wir die erste Unterkunft. Für die Pferde gibt es ein großes Paddock mit Gras und zusätzlich noch Heulage. Unsere Hütte besteht aus einem Raum mit Stockbetten, dazu ein Dachboden mit Matratzen, einer kleinen Küche und einem Bad ohne Dusche – gemütlich, aber kuschelig eng. Zum Essen gibt‘s Salat, Kartoffeln und panierten Fisch mit Remoulade und Butter-Zwiebeln. Es schmeckt einfach nur köstlich! Der kommende Tag bringt nicht nur eine irre Landschaft mit sich – kitschiges Grün, schwarze Erde und Gletscher im Hintergrund – er bringt auch die Koffer von Anne und Petra. Was ein Fest, endlich wieder eigene Klamotten.



Die nächsten Tage werden lang, teilweise kommen wir erst gegen 21 Uhr an unserer Unterkunft an, aber da es die ganze Nacht hell ist, macht das nichts aus. Wir genießen die Zeit mit den Pferden in vollen Zügen und werden langsam so richtige Profis im Einfangen – ein Handvoll lässt sich schlecht einfangen, und die bringen so eine Dynamik in die Herde, dass es auf einem großen Paddock ein paar Leute braucht, um sie einzufangen. Je weiter wir ins Hochland vordringen, umso krasser wird die Landschaft. Überall ist schwarze Erde, die teilweise dampft. Dazwischen sind kleine Bäche, an denen entlang es grün und saftig ist, und am Horizont sieht man die Gletscherkante. Was für eine verrückte Insel – kurz bevor wir hier angekommen sind, gab es auch einen Vulkanausbruch in der Nähe von Reykjavík.
Nach dieser Hochebene wechselt die Landschaft komplett: wie aus einer anderen Welt, mit Schluchten, Flüssen, Wasserfällen und satten Grüntönen. Wir überqueren mehrere Flüsse, manche ziemlich tief – bei einer Etappe fährt Tor sogar lieber mit dem Auto vor, weil unklar ist, wie viel Wasser gerade wirklich im Flussbett steht. Und weil wir bisher ziemlich verwöhnt worden sind vom Wettergott und es zu einem richtigen Islandurlaub dazugehört, nass zu werden, wache ich eines Morgens auf und denke im ersten Moment, direkt neben mir würde ein Fluss vorbeirauschen – tatsächlich schüttet es einfach nur wie aus Eimern. Wir frühstücken und ziehen sicherheitshalber mehrere Lagen Klamotten übereinander. Die erste Etappe im Regen ist noch okay, meine Ausrüstung hält halbwegs dicht, nur die Handschuhe sind schnell durchnässt, und man sieht kaum die Hand vor Augen. Bei der zweiten Etappe müssen wir einen Fluss überqueren – Annes Pferd stolpert, und ehe sie sich versieht, purzelt sie vom Pferd und landet im Fluss. Als echter Paparazzo habe ich die Szene natürlich auf Video, und wir müssen noch Tage später darüber lachen, wie sie, Frohnatur Anne, lachend aus dem Wasser krabbelt und sich wieder auf ihr Pferdchen schwingt. Mir wird mein Lachen aber noch im Hals stecken bleiben. Wir stehen nun alle zusammen auf einer Art Insel im Fluss, der sich in mehrere Arme aufteilt, kommen aber nicht weiter, weil es überall tief ist. In der Nacht hat es so viel geregnet, dass sich die Gegend in eine Art Delta verwandelt hat.

Da ich ein erfahrenes Pferd reite, bittet Tor mich, eine Route zu versuchen, die sich aber leider als ungeeignet entpuppt. Mein kleiner Kämpfer bleibt im Schlamm stecken und kommt nicht mehr weiter. Mit der Hilfe von Tor und mir bekommt er sich befreit, und wir erreichen wieder unversehrt die Insel. An einer vermeintlich tieferen Stelle findet sich schließlich doch ein Weg – dort ist die Strömung stärker, dafür weniger Schlamm. Wir kommen alle sicher rüber, danach sind es nur noch kleinere Flussarme, die wir queren müssen – das war schon echt ein Abenteuer! Was für tapfere und zähe Pferde diese Isländer sind. Denen ist das wirklich egal, und sie kämpfen sich durch, da gibt es keine Überlegung.
Nach der Mittagspause steht nur noch eine Etappe an, und weil das Wetter weiterhin mies bleibt, machen wir die Pause kurz. In der Unterkunft gibt‘s keine Dusche, haha, und auch nur kaltes Wasser. Denise muss mir sogar aus den Schuhen helfen, weil der Reißverschluss so voller Sand ist, dass wir meinen Fuß erst unter den Wasserhahn halten müssen, um überhaupt ranzukommen. Die ganze Bude wird mit tropfnassen Klamotten vollgehängt, in der Hoffnung, dass bis zum nächsten Tag irgendwas trocknet. Aber mal ehrlich? Solche Erlebnisse sind doch unbezahlbar. Der Abend wird super gemütlich, wir sitzen in großer Runde und quetschen unsere Gastgeber ein wenig über ihr Leben aus, und natürlich wird Annes Video rauf- und runtergeschaut.
Das Wetter am nächsten Tag ist traumhaft: Sonne satt, dazu Wind. Wir fahren zu den Pferden und fangen sie schon mal ein und satteln. Kurz bevor es losgeht, stößt noch Birtas Vater mit ein paar eigenen Pferden dazu und reitet mit uns, weil er genau weiß, wo man am Ende die Lagune queren kann, ohne im Schlamm zu versinken. Er wirkt erst ein bisschen einschüchternd, es stellt sich aber schnell raus, dass er ein unglaublich lustiger Kerl ist, der super viele lustige Geschichten zu erzählen hat. Nebenbei erfahren wir: Er ist der Einzige auf Island, der offiziell Pferdesperma exportieren darf – ab da nenne ich ihn nur noch den König von Island.
Wir reiten in ein Tal, das schlicht der Hammer ist – ein Bach schlängelt sich durch saftiges Grün, alles ist atemberaubend schön. Der alte Herr amüsiert sich königlich über meine 360-Grad-Kamera am Stick, die zugegebenermaßen auch wirklich albern aussieht. Irgendwann tauchen wir wieder aus der Wildnis auf und stehen an einem traumhaften Strand. Hier übernimmt nun Birtas Vater komplett das Kommando und führt uns in einem großen Bogen durch einen See, der einen Zufluss zum Meer hat – was die Sache offenbar deutlich tückischer macht, als sie aussieht.






Und dann ist unser Ritt auch schon fast zu Ende. Wir reiten noch ein gutes Stück, bis wir an einem Paddock ankommen, wo wir unsere treuen Vierbeiner absatteln und verabschieden. Mit dem Auto geht‘s zurück zur allerersten Unterkunft, und zum krönenden Abschluss dürfen wir noch in den Spa-Bereich von Skálakot, dem Hotel von Birtas Vater: Dampfbad und heißer Pool, einfach herrlich nach einer Woche im Sattel. Wir haben noch einen fröhlichen letzten Abend im Matratzenlager von Hvolsvöllur, und am nächsten Tag bringt uns Tor zurück nach Reykjavík. Eine Woche voller Abenteuer, erfüllter Kindheitsträume und toller Erlebnisse geht zu Ende. Und ich bin mir sehr sicher, für mich war das nicht das letzte Mal, dass ich auf Island war. Diese Insel hat mich mehr fasziniert und verzaubert, als ich es erwartet hätte!
Und am Flughafen – da ist mein Koffer 2 kg schwerer, obwohl ich nichts eingekauft habe… In Gedanken schreibe ich auf meine allgemeine Packliste eine Rolle Mülltüten. Man weiß nie, was für eine Sintflut einem unterwegs begegnet.
Hier findest du den Ritt auf unserer Website: Gletscher Ritt
Und hier kannst du die Reiseberichte aller Reisen lesen, die wir bisher mit Ingrid Klimke unternommen haben.


